Umstellungen
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Eine Analyse der Tochter
Ich sehe jeden Tag, wie meine Mutter sich umstellt; sie hat ein Schulgesicht, ein Haushaltsgesicht und ein Feierabendgesicht, weil mein Vater weder das Schulgesicht mag, weil er nichts von Mutters Arbeit hält, noch mag er das Haushaltsgesicht, weil sie dann immer so abgespannt aussieht.
Wenn ich ganz ehrlich bin mag ich diese Umstellerei nicht.
Es ärgert mich regelrecht zuzusehen, wie sie das Tag für Tag macht. Eigentlich wäre es doch viel besser einfach man selbst zu bleiben, und zwar für den ganzen Tag und die ganze Woche, aber dagegen würde mein Vater wohl einschreiten, weil man selber sein bedeutet auch nicht in sein Bild der "richtigen" Familie zu passen und das wäre dann wiederum Verwilderung, was natürlich schlecht ist. Also verlangt mein Vater diese Umstellung indirekt.
Manchmal frage ich ich mich, ob ich das auch so mache wie meine Mutter, das mit dem Umstellen. Wenn ich dann so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich das schon irgendwie so mache, aber irgendwie auch nicht, weil meine Mutter ändert ja alles. Ich dagegen verhalte mich nur anders, aber ist das nicht normal? Also ich meine, dass man sich zu Hause anders verhält? Vielleicht ist es bei mir etwas extremer als normal...ok, das kann sein, aber wirklich verändern, so rumdum ,das mache ich bestimmt nicht. Eher einschränken, das ist das richitge Wort.
Wenn mein Vater nach Hause kommt, bleibe ich immernoch ich selbst, nur dass er nicht so viel davon mitbekommt. Ich verstecke einfach Teile von mir, also zum Beispiel den Teil, der gerne und lange Klavier spielt oder gerne ins Kino geht oder viel liest, weil dass alles ist Zeitverschwendung, wie er immer sagt. Ich stelle mich ein, nicht um, aber nur, damit ich einen möglichst ruhigen Abend habe.
Ich finde das ist besser so und vor allem nicht so anstrengend!
Außerdem sehe ich es überhaupt nicht ein, mich dauernd umzustellen und jedes Mal so ein Theater zu veranstalten...da gehe ich lieber in mein Zimmer und lese, das erspart mir jegliche Art von Ein- und Umstellerei und genauso soll es auch bleiben.
Ich will da nämlich auch gar nicht so sein oder werden wie meine Mutter und eins weiß ich ganz bestimmt: mein Ehemann muss mich mal so nehmen wie ich bin, weil umstellen werde ich mich für ihn bestimmt nicht!
Leider hat mein kleiner Bruder das nicht so ganz verstanden, beziehungweise kann er das nicht so, also mit dem EINstellen, weil er denkt, dass es eh alles keinen Sinn hat. Irgendwie hat er damit auch recht, weil seine Leistungen so weit entfernt von Vaters Vorstellungen sind, dass sich das alles nicht so einfach vertuschen lässt. Außerdem ist er da einfach nicht so begabt...
