Overkill eines Müllers

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Der geruchliche Overkill eines Müllers

Samstag morgens in Deutschland:

9:25 Uhr: Tatort: Stadtmitte Nürtingen: Nach meinem morgendlichen Einkaufsbummel bemerkte ich, nach einem Blick auf meine Uhr, dass es wieder Zeit war - Zeit für meine tägliche Ration Koppers. Der zur Routine gewordene Griff in meine Tasche endete in einem gähendend, leeren, schwarzen Nichts. Schweißtropfen bildeten sich auf meiner Stirn. Da waren sie wieder - diese grauenhaften Entzugserscheinungen

9:27 Uhr: Von der Sucht getrieben näherte ich mich schnellen Schrittes meiner Rettung - der Drogerie Müller.

9:28 Uhr: Der Bewegungssensor erfasste meine Bewegung und öffnete innerhalb von 3,01 Sekunden die Türe. Als ich die Schwelle übertrat schlug mir eine überwältigende Wand unterschiedlichster, grässlichster und außergewöhnlichster Düfte entgegen. Der maskuline Duft eines Axe Alaska überdeckte den leichten, rosenhaften Geruch eines Chanel. Dazwischen versuchte ein modernes Armani zur Geltung zu kommen. Die Regale voll Badelotionen mieften vor sich hin und auch andere Gerüche waren nicht so angenehm, wie man es beim betreten einer Parfümerie erwarten würde. Für sich hätten die Parfums, Hautcremes und Deodorants angenehm gerochen, doch da sie alle gemeinsam die Intensität ihrer Düfte verbreiteten, wurde ich schon nach wenigen Atemzügen narkotisiert und taumelte benommen durch den Laden. Während ich wie betäubt versuchte die rettende Drogerieabteilung des Müllers im Untergeschoss zu erreichen, probierte ich erneut einzelne Düfte zu erkennen. Ich nahm den herb–maskulinen Moschusgeruch der Rasierwasser wahr und den frisch-süßen der Damenparfums. Von den Cremes kamen schwere fettige Schwaden auf mich zu und wurden wieder von dem alkoholisch stechenden Nebel der Deodorants verdrängt.


Als ich diese undefinierbare Masse an Düften in mich hineinzog, brannte es wie Säure in meinen Nasenhöhlen. Es war die schrecklichste Folter auf Erden. Doch der Gedanke an mein Koppers gab mir frischen Mut und Kraft und ließ mich diese Wand durchbrechen. Ich rannte zur Koppersabteilung, schnappte mir eine Packung und verließ das Geschäft ohne zu bezahlen.

9:31 Uhr: Meine tägliche Ration Koppers befindet sich in meinem Magen. Die grässlichen Düfte in meinen Nasenhöhlen verzogen sich allmählich und das Gefühl der Glückseligkeit stellte sich ein.



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