Lyrik/Interviews

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Inhaltsverzeichnis

Interview mit Bertolt Brecht

I: Herr Brecht, wir haben ihr Gedicht „Finnische Landschaft“ aufmerksam gelesen und dabei den Eindruck gewonnen, dass sie sich in Finnland relativ wohl fühlten. Es haben sich uns aber auch einige Fragen gestellt, die ihr Leben in Finnland betreffen. Zuerst einmal würden wir gerne wissen, wie es ihnen damals ging?

B: Gesundheitlich ging es mir eigentlich recht gut, und auch die einzigartige Landschaft Finnlands hat mich für dieses Werk inspiriert. Ich fühlte mich zu der Zeit ziemlich wohl, obwohl es relativ schwierig war, eine freundschaftliche Beziehung zu den finnischen Bürgern aufzubauen.

I: Aha. Sie fühlten sich dort also nicht hundertprozentig zuhause, oder? Was bedeutet „Heimat“ konkret für sie?

B: Das Wort „Heimat“ ist schwer zu definieren. Vielleicht ist Heimat die Geborgenheit und Überschaubarkeit, die ich in Deutschland vor den Kriegen während meiner Kindheit erleben durfte. Vielleicht ist Heimat aber auch eine Utopie, eine Illusion des perfekten oder gelungenen Lebens, die niemand zu erreichen vermag, die man aber trotzdem sein ganzes Leben zu verwirklichen versucht.

I: Wie drückt sich das in ihrem Gedicht aus?

B: Wie man aus dem Gedicht herauslesen kann, verbrachte ich eine glückliche Zeit in Finnland, jedoch konnte ich mich auch hier nicht heimatverbunden fühlen. Ein wesentlicher Grund dafür waren die kulturellen Unterschiede.

I: Warum verwenden sie unregelmäßige Reime?

B: Meiner Meinung nach wirken feste Reime steif und einengend. Sie würden die Freiheit der finnischen Natur und Landschaft nicht widerspiegeln und ihre Wirkung reduzieren.

I: Welches Gefühl wollen sie dem Leser vermitteln?

B: Der Leser soll ein Gefühl der Freiheit empfinden und sich die einzigartige Schönheit der Natur bildlich vorstellen können, damit sie niemals in Vergessenheit geraten wird.

I: In welcher Lebenslage befanden sie sich, als sie das Gedicht schrieben?

B: Aufgrund der Unruhen in Deutschland war ich innerlich sehr aufgewühlt, jedoch konnte ich mich in Finnland, inspiriert von der wundervollen Landschaft, voll und ganz auf meine Werke konzentrieren.

I: Herr Brecht, wir danken ihnen für das Gespräch und wünschen ihnen noch viel Erfolg und ein erfülltes Leben.


Herr Heine,

wären Sie bereit, ein natürlich fiktives Interview zu führen, indem wir Ihnen über „Nachtgedanken“ ein paar Fragen stellen?

Zuerst einmal, wie geht es Ihnen?

Danke, so lange ich nicht an Deutschland denke, geht es mir brecht-ig. Bezüglich Ihres Gedichtes, das wir aufmerksam gelesen haben, hätten wir einige Fragen:

1. Warum haben Sie das Gedicht „Nachtgedanken“ genannt?

Das Gedicht trägt diesen Namen, da mich besonders nachts die Erinnerungen an das grausame Deutschland heimsuchen.

2. Was bedeutet für Sie Heimat?

Mhm, eine schwierige Frage. Ich denke Heimat bedeutet einen Platz zu finden, an dem ich mich frei entfalten kann, mich sicher fühle und ich alles habe, das ich zum Leben brauche.

3. Wie drückt sich das in Ihrem Gedicht aus?

In Deutschland hatte ich nie das Gefühl zu Hause zu sein und hätte auch nie mein Glück gefunden. Das versuche ich in meinem Gedicht zu verdeutlichen. Damit haben Sie im Prinzip auch schon meine nächste Frage nach den Beweggründen für das Verlassen Deutschlands beantwortet.

4. In welcher Lebenslage und in welchem Land befanden Sie sich, als sie das Gedicht geschrieben haben und was hat Sie dazu besonders inspiriert?

Das Gedicht schrieb ich in Frankreich, nachdem ich aus Deutschland geflüchtet war. Dort hatte sich die Situation sehr zugespitzt (Anm. d. Red. Krieg) und ich verlor dadurch viele Freunde.

5. Gibt es ein bevorzugtes sprachliches Mittel in Ihrem Gedicht?

(lächelt) Nein, mein Augenmerk habe ich nicht auf sprachliche Mittel gelegt, dafür aber auf ein sich wiederholendes Reimschema. Durch die Technik des Paarreims entsteht eine Verbundenheit zwischen zwei Zeilen aber auch ihre Unterscheidung innerhalb einer Strophe.

6. Welches Gefühl wollen Sie dem Leser vermitteln?

Ich möchte anhand des Gedichtes dem Leser mein Seelenleben offen legen und von den Kriegszeiten, verbunden mit deren Grausamkeiten und Gräueltaten, zu berichten. Wir danken Ihnen für das Gespräch Herr Heine und wünschen Ihnen noch einen angenehmen Vormittag.

WE LOVE TO ENTERTAIN YOU Maria, Torben, Philipp, David


Interview mit Hermann Hesse

Interviewer: Herr Hesse, es freut uns sehr, dass Sie sich für unser Interview Zeit genommen haben. Wie geht es Ihnen?

H. Hesse: Im Moment leider ausgesprochen madig, ich fühle mich als würde ich von innen zerfressen werden.

I: Was bedeutet für Sie Heimat? Wie drückt sich das in Ihrem Gedicht „Schwarzwald“ aus?

H: Unter Heimat verstehe ich die Umgebung in der ich aufgewachsen bin. Vor allem die Natur meines Geburtsortes, dem Schwarzwald, spielt in meinem Gefühl von Heimat eine große Rolle und hat mich in meinen Werken inspiriert. Ich denke gerne daran zurück wie ich als kleiner Junge die Welt um mich herum entdeckte, die Berge, die Täler…. In meiner Heimat muss ich mich vor allem wohl fühlen, was auch in anderen Gegenden der Fall ist; so z.B. in der Schweiz, die ich inzwischen als zweite Heimat ansehe.

I: Warum verwenden sie in ihrem Gedicht einen Reim?

H: Ich bevorzuge in meinen Werken einen klassischen Stil. Ein Gedicht muss meiner Meinung nach ästhetisch wirken, die Komposition muss abgerundet und harmonisch abgestimmt sein, was sich mit den klassischen Schemen am besten erreichen lässt.

I: Welches Gefühl wollen sie dem Leser mit ihrem Werk vermitteln?

H: Ich will bei dem Leser ein Gefühl der Verbundenheit zu seiner Heimat wecken, er soll sich mit seinen Ursprüngen identifizieren können. Ich möchte dem Leser die Möglichkeit bieten, an die Harmonie seiner Kindheit zurückzudenken und einfach mal die Seele baumeln zu lassen.

I: Wo befanden Sie sich als Sie dieses Gedicht schrieben?

H: Ich erwähnte im Laufe unseres Gespräches, dass ich die Schweiz als meine zweite Heimat ansehe, und dort befand ich mich auch als ich das Gedicht schrieb. Obwohl ich mich in der Schweiz sehr wohl fühle und vorhabe, dort den Rest meines Lebens zu verbringen, ist der Schwarzwald doch noch immer der Ort an dem ich die schönste Zeit meines Lebens, nämlich meine Kindheit, verbrachte.

I: In welcher Stimmungslage waren Sie beim Verfassen dieser Zeilen?

H: Ich schwelgte in Erinnerungen an frühere Zeiten, die einem ja, wie Sie sicher wissen, immer als die besten vorkommen…

I: Herr Hesse, wir danken Ihnen für dieses informative Gespräch, es war schön sich mit Ihnen zu unterhalten.

Sofia, Maren, Felix, Samuel

Interview mit Herrn Günther Eich

Heute im Gespräch Herr Günther Eich, ein deutscher Schriftsteller, geboren 1907 in Lebus (Oder), danach Studium der Rechtswissenschaften und Sinologie (Chinakunde), Soldat im 2. Weltkrieg, danach Kriegsgefangenschaft, nach der er mehrere wortkarge, auf dem Erlebnis der Zeit beruhende Gedichte schrieb.

Wie geht es Ihnen?

Danke der Nachfrage. Ich freue mich hier sein zu können, um mit Ihnen dieses Interview führen zu können. Auf Grund meiner Vergangenheit als Kriegsgefangener der Amerikaner habe ich noch einige Erlebnisse zu verarbeiten, doch das wird mir mit Hilfe meiner Arbeit als Schriftsteller leichter fallen.

Was bedeutet für sie Heimat?

Sie können sich ja sicherlich vorstellen, dass der Begriff Heimat für mich sehr stark mit Freiheit verbunden ist. Heimat ist da, wo ich Stift und Papier habe und meine Kreativität ausleben kann.

Wie drückt sich das in Ihrem Gedicht aus?

Auch in meinem Gedicht wird deutlich, dass meine Schreibutensilien für mich einen positiven Gegenpol zu all dem Erlebten darstellen.

Warum haben Sie das Gedicht „Inventur“ genannt? Warum diese Überschrift?

Wie bei einer Inventur in einem Kaufmannsladen zählt mein Gedicht die Dinge, die noch in meinem Besitz verblieben sind. Geblieben ist nur noch das Notwendigste, die Überreste der Realität.

Was hat Sie besonders inspiriert?

Die Kriegsgefangenschaft und die menschenunwürdigen Umstände um mich herum.

Warum verwenden Sie keinen Reim?

Inventur ist etwas rein Rechnerisches, Technisches, da hat Kunst nichts verloren.

Gibt es ein bevorzugtes sprachliches Mittel, eine poetische Technik, welche Sie häufig benutzen?

Besonders auffällig sind meine Alliterationen.

Können Sie uns ein Beispiel dafür nennen?

Selbstverständlich: in der ersten Strophe Mütze und Mantel oder auch Kissen und Kopf.

Welches Gefühl wollten Sie dem Leser vermitteln?

Die Einöde der Gefangenschaft und wie man sich an die letzten einfachen Dinge, die einem geblieben sind, zu klammern versucht.

In diesem Sinne, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch und alles Gute für Ihre weitere schriftstellerische Laufbahn.

Danke auch.

An Bertolt Brecht (2005)

Veränderung,

Veränderung ist nicht,
Veränderung kommt,
Veränderung geht, und bleibt für jeden Augenblick,
Aber, sie ist nicht!


Du warst und hofftest auf Veränderung,
Du hast zu jenen gehört, die wussten was auf uns zu kommt
Und hast unendliche Schuld auf Dich geladen,
Da Du in Zeiten, schon schlecht genug, standst
Und die Zeit vorübergehen sahst.


Die Zeit geht immer noch vorüber,
Doch das Schlachtfeld hat sich ins Innere der Menschen gekehrt
Und lässt uns nun fragend wanken, wonach wir streben.


Veränderung,
Veränderung ist nicht,
Veränderung kommt,
Veränderung geht, und bleibt für jeden Augenblick,
Aber, sie ist nicht!


Der Mensch war und hoffte auf Veränderung
Und auch unsere Nachgeborenen
Werden Deine Sein
Die "Nachgeborenen" © Jan S. & Valentin Z. antworten Bertolt Brecht

Interview mit Rainer Maria Rilke

Herr Rilke, beim genaueren Lesen Ihres Gedichtes „Herbsttag“ haben wir den Eindruck gewonnen, dass Sie sich sehr intensiv mit der Thematik ‚Heimat' auseinander gesetzt haben.

Was bedeutet der Begriff ‚Heimat‘ für Sie?

Unter Heimat verstehe ich, Halt zu haben, einen Platz, an welchem eine gewisse Geborgenheit spürbar wird. Diese Erfahrung konnte ich auf Grund schwieriger Familienkonstellationen jedoch leider nur beschränkt machen.

Wie haben Sie Heimat empfunden?

Heimat ist für mich bis heute ein schwieriges Thema, da ich Heimat nicht mit einem bestimmten Ort verbinden kann, wie es bei anderen der Fall ist. Meine Kindheit wies einige Schwierigkeiten auf. Zum Einen war da meine Mutter, die versuchte mich als Tochter aufwachsen zu lassen. Zum anderen die Kadettenschule, welche mir nicht sehr gut bekam.

Wie drückt sich Heimat in Ihrem Gedicht aus?

In meinem Gedicht „Herbsttag“ greife ich auf, wie schnell die Zeit auf Erden dahinschleicht und wie schnell das Lebensende näher rückt. Es wird mehr und mehr unmöglich, ein wahres Heimatgefühl zu entwickeln.

Welches Gefühl wollen Sie dem Leser vermitteln?

Der Leser soll eine Anregung erhalten, sich mit dem Begriff ‚Heimat‘ zu befassen. Das Gedicht soll helfen, seine Heimat schätzen zu lernen und ein Heimatgefühl zu entwickeln.

Wie geht es Ihnen heute?

Meine Kindheit und meine Jugend haben mich stärk geprägt. Eine der Folgen ist meine Kränklichkeit, welche ich bis heute nicht überwunden habe.

Herr Rilke, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute auf dem weiteren Weg und viel Gesundheit.

Philipp u.a.


Dichter-Interviews, entstanden im Deutschkurs 12 Herbst 2005


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