Lyrik/Fachbegriffe
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Was ist was - von A bis Z:
Inhaltsverzeichnis |
A-B-C
Alexandriner
- jambischer Vers mit sechs Hebungen und einer Mittelzäsur (=>Sonett)
- Der schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn (A.Gryphius: Abend)
Allegorie
- Bild eines abstrakten Begriffes: Justitia, die Musen
Alliteration
- Aufeinanderfolgene Wörter mit gleichem Anfangskonsonanten.
Anakoluth
- Satzbruch, Herausfallen aus der Bauart des Satzes
- Bsp.: "Ein Herr, der zu lügen Lust hat, des Diener sind alle gottlos"
Anapher
- Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang aufeinander folgender Verse, Strophen, Sätze oder Satzteile.
- Bsp.: "Lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne." (Hans Magnus Enzensberger)
Bacchius (oder Bakcheios)
- ist ein dreisilbiger Versfuß, der aus einer kurzen und zwei langen Silben besteht.
Ballade
Binnenreim
- Reim innerhalb einer Verszeile
- Er lachte und dachte
- wie er verschmachte
Blankvers
- Ungereimter steigender Fünftakter (fünfhebiger Jambus). Der Idealvers des klassischen Dramas.
Brachylogie
- „Ausdruckskürze“: Auslassung von Satzteilen, die im unmittelbaren Kontext in anderer Form schon vorkommen oder aus dem Satzsinn notwendig zu ergänzen sind.
Chiasmus
- syntaktische Überkreuzstellung von Wörtern zweier aufeinander bezogener Satzglieder
- Bsp.: "Ich weiß nicht, was ich will; ich will nicht, was ich weiß"
Chiffre
- frz: Ziffer, Kennwort bzw. Geheimzeichen
- Ausdrucksweise basiert auf nicht vorhandenen bzw. nicht erschließbaren Ähnlichkeiten und schafft neue, nur in der Sprache existierende Welten (moderne Lyrik)
- Zeichen, dessen Inhalt (zusammenhanglos) rätselhaft und letztlich nicht zu erfassen ist
- Bsp.: "Schwarze Milch der Frühe"(Todesfuge, Paul Celan)
D-E-F
Daktylus
- Versfuß; auf eine betonte Silbe folgen zwei unbetonte
- Bsp.: Dáktylus
Distichon
- Besteht aus zwei Versen (Hexameter + Pentameter)
- Bsp.: "Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule
- im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab." (F. Schiller: Distichon)
Elegie
- Trauer- oder Klagelied
- Betrauert den Verlust des Ideals (Goldenes Zeitalter, Harmonie, Einheit mit der Geliebten ...),
- schwermütiger Grundton („elegische Stimmung“)
- gehalten in Distichen (Distichon, das = Hexameter + Pentameter)
- Bsp: Schiller „Der Spaziergang“, Elegien von Hölderlin
Ellipse
- Auslassung von Satzgliedern, die zum Verständnis nicht unbedingt notwendig sind.
- Bsp: "Woher so in Atem?"
Enjambement
G-H-I-J
Hexameter
- In der antiken Dichtung verwendet für Epigramme und Elegien (-> elegisches Distichon), von Goethe und Schiller wiederaufgegriffen in den Xenien (zeitkritische Sinnsprüche) oder in größeren Weltanschauungsgedichten: Goethes "Metamorphose der Pflanzen", Schillers "Spaziergang", auch bei Hölderlin zu finden.
- Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule
- im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab (F.Schiller: Distichon)
Hymne
- Ohne feste formale und inhaltliche Kennzeichen, gefordert wird gehobene Sprache, unbeschränkt in der metrischen Form: Beliebt im Sturm und Drang wegen der Verwendung freier Rhythmen: Goethe Prometheus, Ganymed. In der Romantik, bei Novalis dann Weiterentwicklung zur hymnischen Prosa: „Hymnen an die Nacht" (1.Fassung).
- Beispiel: Fausts Antwort auf die ‚Gretchenfrage‘.
Ironie
- Ironie ist eine unwahre Behauptung, die durchblicken lässt, dass das Gegenteil gemeint ist.
- Beispiele: "Du bist mir ein schöner Freund"
Jambus
- Versfuß aus einer kurzen unbetonten und einer langen betonten Silbe
- Jambus (steigend): x ´x (=Hebung)
- Beispiel: Gedícht
K-L-M
Knittelvers
- Im 16. und 17. Jh Bezeichnung sowohl für schlechte holprige Verse als auch Bezeichnung für die beliebteste Versart des 16. Jh: kurze Reimpaare (Hans Sachsens Verse - Handwerker- bzw Meistersingerdichtung), in denen das metrische Schema öfter auch mit dem Wortakzent in Konflikt gerät.
- Von Goethe in seiner Frankfurter Zeit (um 1775) wiederbelebt als freie Vierheber mit beliebiger Senkungsfülle („Urfaust")
- Da steh ich nun, ich armer Tor
- Und bin so klug als wie zuvor.
Kreuzreim
- Reimschema: abab
- Ich stehe hier
- und du stehst dort.
- Ich will mit dir
- an diesen Ort.
Leitmotiv
- Ein Leitmotiv taucht in der Gesamtheit des Textes immer wieder mehr oder weniger deutlich auf. Durch Stimmungen, Farben, Klangfiguren und Zitate können die unterschiedlichen Motive verdeutlicht werden, damit der Leser eine vielfältigere Auffassung des lyrischen Textes erhält.
- Im Themenbereich "Heimat und Exil" sind dies zum Beispiel das Reisemotiv, die Fremdheit und der Schmerz über den Verlust der Heimat.
Madrigal
- Inbegriff der metrisch freien Form: Es kombiniert unterschiedlich lange Verse (also freie Taktzahl) mit einheitlichem oder wechselndem Metrum, mit beliebigem Reim und wechselndem Umfang (zwischen 5 und 15 Verse). Beispiel: "Wanderers Nachtlied" von J.W.Goethe
Metapher
- Eine Metapher steht für die Übertragung eines Begriffs in einen Bereich, dem er ursprünglich nicht angehört. Da auf die Verwendung von Vergleichswörtern verzichtet wird, steht das Eine unmittelbar für das Andere. Beispiele:
- Jemanden nicht das Wasser reichen können - einer Person unterlegen sein
- Rabeneltern - Eltern, die ihr Kind vernachlässigen
- Wüstenschiff - Kamel
N-O-P-Q
Neologismen (griechisch: „νέος“ [neos] = neu; „λόγος“ [logos] = Wort -->sprachliche Neuschöpfungen)
- Neologismen werden am Anfang als neu empfunden, finden aber Verbreitung unter den Sprechern und werden schließlich in den Wortschatz aufgenommen.
Beispiele:
- Gammelfleisch: zusammengesetzt aus Fleisch und einer Ableitung von gammelig
- Politesse: von Polizei und Hostess
- sitt: als Gegenstück zu satt, d.h. wenn der Durst gestillt ist
ODE
- Lobgesang (wie Hymne) aber in strengerer Form (alkäisch, asklepiadäisch, sapphisch, pindarisch)
- gehobene Sprache und Themen von besonderer Würde und Erhabenheit:
- Bsp: Oden von Hölderlin („Neckar“), Schillers „Ode an die Freude“
Onomatopoesie (Adj.: onomatopoetisch)
- Wort, das seinen Sinn durch den Klang des Wortes erhält
- Bsp.: ein Wau-wau, ein Töff Töff; plätschern, zischen, glucksen, Blitz
Paarreim
- Reimschema: aa bb (cc) ...
- Er ging zurück,
- ein kurzes Stück,
- dann sah er mich
- und schämte sich.
Pentameter
- Siehe =>Hexameter und =>Distichon
Personifikation
- Gegenstände oder Naturphänomene werden mit menschlichen Eigenschaften versehen
- Bsp: J.W.Goethe "Willkommen und Abschied" (1. Strophe)
- [...] Der Abend wiegte schon die Erde,
- Und an den Bergen hing die Nacht;
- Schon stand im Nebelkleid die Eiche,
- Ein aufgetürmter Riese, da,
- Wo Finsternis aus dem Gesträuche
- Mit hundert schwarzen Augen sah.
Quartett
- Eine vierzeilige Strophe, nicht identisch mit der Volksliedstrophe.
- Ein Sonett besteht aus zwei Quartetten und zwei Terzetten
Oxymoron
- Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe
- Bsp.: bitter-süß; alter Knaben
R-S-T
Refrain
- In strophischer Dichtung regelmäßig wiederkehrende Laut- oder Wortgruppe
- Der Umfang reicht von einem Wort bis zu mehreren Versen, manchmal bis zu einer ganzen Strophe.
- Der Refrain steht meist am Strophenende, begegnet aber auch als Anfangs- und Binnenrefrain.
Reim
- siehe z.B. Binnenreim, Kreuzreim, Paarreim
Rhetorische Frage
- Scheinfrage, weil keine Antwort erwartet wird. Sie verstärkt die Eindringlichkeit der Aussage.
- z.B.: Bist du noch zu retten?;
- Wer glaubt denn das noch?;
- Sind wir nicht Männer?
Sonett
- Besonders in der Literatur des Barock beliebte und durch ihre formale Strenge gekennzeichnete Gedichtform. Das Sonett besteht aus 14 Zeilen, die wiederum in zwei Quartette und zwei Terzette gegliedert sind. Die Struktur ist dem Emblem ähnlich, bestehend aus Motto (Inscriptio), Pictura (Imago) und Epigramm (Subscriptio). Den Quartetten kommt dabei die Rolle der Pictura, der bildhaften Gestaltung zu, den Terzetten die Aufgabe des Epigrammes, also der belehrenden Auslegung der Bilder, oft auch mit appellativer Absicht. Die vorherrschende Versform im Barock ist der =>„Alexandriner“.
Synästhesie
- Verschmelzung mehrerer Sinneseindrücke
- Bsp.: Lichtton, schreiendes Grün, duftige Farben
Symbol
- Allgemein ein wahrnehmbares Zeichen oder Sinnbild, das stellvertretend für etwas nicht Wahrnehmbares (auch Gedachtes und Geglaubtes)steht
- Bsp.: Kreuz-Krieg oder Kirche, Waage-Gerechtigkeit
Satire
- Ironisch-witzige literarische oder künstlerische Darstellung menschlicher Schwächen und Laster (meistens gekennzeichnet durch beißenden Spott)
- Bsp.: Deutschland. Ein Wintermärchen (Heine), Der Besuch der alten Dame (Dürrenmatt)
Synonymie
- Häufung von bedeutungsähnlichen Ausdrücken als Stilmittel zur Hervorhebung
- Bsp.: ...und es wallet und siedet und brauset und zischt...(Schiller)
Sonett
- Zwei Quartette, zwei Terzette
- Bsp.: Shakespeare
Stichomythie
- Wechsel von Rede und Gegenrede mit jedem Vers in erregten Auseinandersetzungen zwischen zwei Personen im Versdrama
- Bsp.: Sophokles (weniger), Euripides (mehr)
Trikolon
- dreigliedriger Ausdruck
- Bsp.: veni vidi vici
Tautologie
- Häufung gleichbedeutender Wörter
- Bsp.:voll und ganz
Trochäus
- ein Versfuß, in dem auf eine schwere (lange oder betonte) Silbe eine leichte (kurze oder unbetonte) folgt; Antonym des Jambus
- Bsp.:Hilfe, Wasser
U-V-W
Volkslied
- Vierzeiler, vierhebig, im Reimschema alterierend (abab, oder abcb), gerne verwendet in der romantischen Lyrik (Eichendorff) oder in Heinrich Heines Erzählgedichten („Deutschland, ein Wintermärchen”). Auch im Faust finden sich Volksliedhaft gestimmte Strophen: Der Lobgesang der Schöpfung durch die Engel ( „Prolog“) und die Lieder Gretchens in „Abend“ und „Gretchens Stube“.
X-Y-Z
Zeugma

