Lyrik/Exil-Autoren

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Themenfeld "Heimatverlust und Exil": AUTOREN-Kurzporträts

Inhaltsverzeichnis

Heinrich Heine

1797 geb. in Düsseldorf als Sohn eines unbemittelten Kaufmanns, beginnt nach der Schule (1810-14) eine kaufmännische Lehre zunächst in Frankfurt, dann ab 1815 bei seinem Onkel Salomon Heine in Hamburg. Mit finanzieller Unterstützung des Onkels 1818 Gründung eines Manufakturgeschäftes, das kurz danach in Konkurs ging.

1819 Der Onkel finanziert daraufhin das Jurastudium in Bonn, dann in Göttingen. Heine hält sich zwischenzeitlich in Berlin und den Berliner Salons auf, unternimmt eine Fußreise in den Harz, besucht Goethe, dann wieder Göttingen.

1825 Dr. jur. und Übertritt vom Judentum zum Protestantismus:„Der Taufzettel ist das Entreébillet zur europäischen Kultur." - Von nun an ist Heine freischaffender Schriftsteller und von seinem Onkel noch lange finanziell abhängig. Er führt ein unstetes Wanderleben (Hamburg, Lüneburg, London, München, Italien, Berlin) in dem ständigen Bemühen, sich eine unabhängige Existenz als Schriftsteller und Journalist zu schaffen.

1827 erscheint das >Buch der Lieder<, eine Art Gesamtausgabe seiner bisher veröffentlichten Gedichte; sie entsprang dem jugendlichen Ehrgeiz Heines, dass seine Gedichte "so populär werden wie die Bürgerschen, Goetheschen, Uhlandschen"(1826). Der Publikumserfolg war zuerst gering: 2000 Exemplare in 10 Jahren! Mit dem Verbot von Heines Schriften wächst das öffentliche Interesse an Heines Werken, die Verlage finden Mittel und Wege, die Zensur zu umgehen, und das >Buch der Lieder< wird zum größten lyrischen Erfolg des 19. Jhdts (allein bis zu Heines Tod 30 000 Exemplare).

1826-31 Reiseberichte (>Reisebilder<, >Harzreise<). Er reagiert hierin auf das in Deutschland rege Interesse an Ausblicken in die Zentren der europäischen Welt: Italien, England, Frankreich. Diese Reise-berichte enthalten neben sachlichen Schilderungen auch Reflexionen über Bücher, Personen, Zeitpolitik, Vergangenheit und Zukunft. Schließlich

1831 Übersiedlung nach Paris als Reaktion auf die politischen Verhältnisse

1835 erfolgte das Verbot von Heines Schriften durch den 'Deutschen Bundestag'. In ständigen finanziellen Schwierigkeiten schlägt er sich als Dichter und Publizist durch. Als Korrespondent der Augsburger >Allgemeinen Zeitung< berichtet der dem deutschen Publikum von den bewegten >Französischen Zuständen<, zugleich verfasst er für das französische Publikum umfassende Schriften über >Die Romantische Schule< und die >Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland< (1832-35). Er zählt zu den liberal-demokratischen Emigrantenkreisen, kommentiert kritisch-spöttisch das radikalsozialistische Gedankengut seiner Zeit und macht Bekanntschaft mit Marx.

1843/4 unternimmt er eine Reise nach Deutschland, deren Eindrücke er in >Deutschland, ein Wintermärchen< veröffentlicht: Er nennt es "versifizierte Reisebilder, die eine höhere Politik atmen als die bekannten politischen Stänkerreime", es "wird der prosaisch-bombastischen Tendenzpoesie hoffentlich den Todesstoß geben". (H.Heine)

1841 heiratet er Crescentia Eugenie Mirat ('Mathilde'), seine finanziellen Verhältnisse haben sich stark gebessert, aber seit 1845 verschlimmert sich seine Rückenmarkskrankheit, die ihn die Jahre 1848 bis zu seinem Tode 1856 in die >Matratzengruft< bannt. Die Stimmung des kranken und lebensmüden Heine prägt in diesen Jahren die Gedichte. Im Nachwort zur Gedichtsammlung >ROMANZERO< (1851) rechtfertigt er seine religiösen Ansichten und Hinwendung zum (nunmehr katholischen) Glauben. Sein Grab ist auf dem Montmartre-Friedhof.

Quelle: www.zum.de/Wiki

Bertolt Brecht

(*10.02.1898 - †14.08.1956)

Bertolt Brecht wurde in Augsburg geboren. Er begann seine literarische Laufbahn mit Thea-terkritiken, Dramen und Gedichten. Brecht komponierte und trug seine Lieder selbst vor; er arbeitete in der Weimarer Republik mit berühmten Komponisten wie Kurt Weill, Paul Hindemith und Hanns Eisler zusammen (u.a. Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, 1927-1930, und die Dreigroschenoper, 1928). Mit seinen Lehrstücken wie "Die Maßnahme" (1926) und "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" (1930), die er u.a. im Deutschen Theater in Berlin inszenierte, wollte er die Trennung von Bühne und Publikum aufheben. In den zwanziger Jahren entwickelte Brecht die Form und Theorie des Epischen Theaters, das den Zuschauer durch Desillusionierung und den Einsatz gezielter Verfremdungseffekte zu Distanz, Reflexion und kritischem Nachdenken bewegen sollte. 1933 emigrierte Brecht nach Dänemark, wo er bis 1939 lebte. Angesichts des Krieges floh er über Schweden und Finnland in die USA. Im Exil entstanden berühmte Dramen wie "Leben des Galilei" (1938, Überarbeitungen 1947 und 1955), "Mutter Courage und ihre Kinder" (1939) und "Der kaukasische Kreidekreis" (1944/45). Nach einer Vorladung vor das "Komitee für unamerikanische Tätigkeit" in Washington verließ Brecht 1947 die USA und ging zunächst in die Schweiz. Von dort aus kehrt er 1948 nach Deutschland, in die SBZ/DDR, zurück und gründete gemeinsam mit seiner Frau, Helene Weigel, das "Berliner Ensemble", wo er sich der praktischen Theaterarbeit widmete. Am 14. August 1956 starb Brecht in Berlin (Ost).

Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Nelly Sachs

Schriftstellerin und Lyrikerin jüdischer Herkunft, Literatur-Nobelpreis 1966

Geb. 10.12.1891 in Berlin, gest. 12.5.1970 in Stockholm/Schweden

Weiteres siehe Biografie im Exil-Archiv

Mascha Kaléko

(*07.06.1907 - †21.01.1975)

Mascha Kaléko wurde Ende der Zwanziger Jahre mit ihren heiter-melancholischen Großstadt-Gedichten bekannt. 1933 erschien ihr "Lyrisches Stenogrammheft", 1935 "Kleines Lesebuch für Große". Beide Bücher wurden von den Nazis verboten, da Mascha Kaléko Jüdin war. 1938 emigrierte sie mit ihrem zweiten Mann, dem Komponisten Chemjo Vinaver, und dem gemeinsamen Sohn in die USA. Durch die Neuauflage ihrer frühen Bücher und der satirisch-kritischen Emigrationsgedichte "Verse für Zeitgenossen" erlebte die Dichterin Mitte der fünfziger Jahre in Deutschland ein Comeback. 1959 übersiedelte Mascha Kaléko nach Israel. In den sechziger Jahren geriet die Autorin, die 1975 in Zürich starb, in Vergessenheit. Wenige Jahre nach ihrem Tod wurden ihre Gedichte wiederentdeckt. Sie stehen in der Tradition von Heine, Tucholsky und Kästner, doch Mascha Kaléko hat einen eigenen Stil entwickelt und ist die einzige weibliche Stimme unter den Lyrikern der Neuen Sachlichkeit.

Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Irmgard Keun

Irmgard Keun wird am 6. Februar 1905 in Berlin-Charlottenburg geboren.

Nach Abschluss einer evangelischen Mädchenschule 1921 ist sie als Stenotypistin berufstätig.

Besuch der Schauspielschule in Köln von 1925-27. Es folgen Engagements mit mäßigem Erfolg. Sie beendet 1929 ihre Schauspielkarriere und beginnt zu schreiben - ermutigt von erfolgreichen Schriftstellerkollegen. Ihr erster Roman, „Gilgi - eine von uns“, macht Irmgard Keun 1931 schnell berühmt, auch der Roman „Das kunstseidene Mädchen“ (1932) wird zum Verkaufserfolg.

1933/34 werden ihre Bücher wegen ihrer sozialkritischen und „antideutschen“ Tendenz auf die Schwarze Liste gesetzt und verboten. Ihr Aufnahmeantrag in die Reichsschrifttumskammer wurde 1936 endgültig abgelehnt.

Irmgard Keun geht ins Exil (1936-1940), zunächst nach Belgien und später Holland.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in den Niederlanden kehrt sie 1940 mit falschen Papieren nach Deutschland zurück und findet dort bis 1945 bei ihren Eltern Unterschlupf.

Nach dem Krieg arbeitet Irmgard Keun als Journalistin, schreibt kleinere Texte für Hörfunk, Kabarett und Feuilletons, kann jedoch literarisch nicht wieder Fuß fassen. Sie leidet an Alkoholismus, verarmt, 1966 folgen Entmündigung und Einweisung in die psychiatrische Abteilung des Landeskrankenhauses Bonn, wo sie bis 1972 blieb. Eine Lesung in Köln und ein Porträt im "Stern" sorgen dann unerwartet für eine Wiederentdeckung von Keuns Büchern. Durch Neuauflagen verbessert sich ab 1979 ihre finanzielle Lage.

1982 stirbt sie an Lungenkrebs und wird auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt.

Quelle: Zusammengestrichener Wikipedia-Artikel (Stand März 07) und das „Exil-Archiv“

Rose Ausländer

(*11.05.1901 - †03.01.1988)

Rose Ausländer wurde 1901 als Rosalie Scherzer in Czernowitz geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Sie studierte zunächst Literatur und Philosophie. 1921 wanderte sie mit Ignaz Ausländer in die USA aus, mit dem sie von 1923 bis 1930 verheiratet war. Sie arbeitet dort als Sekretärin und Redakteurin. In jener Zeit veröffentlichte sie auch ihre ersten Gedichte. 1931 kehrte Ausländer ins nun zu Rumänien gehörende Czernowitz zurück, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Als Jüdin konnte sie die Jahre 1941-1944 nur überleben, indem sie sich in Kellerverstecken verbarg. Auf Grund dieser Erfahrung schrieb sie nach 1945, dann wieder in den USA lebend, vorerst nur noch englischsprachige Gedichte. 1963 verließ sie die Vereinigten Staaten und lebte von 1965 bis zu ihrem Tod 1988 in Düsseldorf. 1965 erschien ihr Gedichtband "Blinder Sommer", dem noch zahlreiche Lyrikbände folgten.

Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Hilde Domin

(*27.06.1909 - †22.02.2006)

Hilde Domin, geboren 1909 als Hilde Löwenstein in Köln, studierte in Heidelberg, Köln und Berlin, ehe sie 1932 nach Rom emigrierte, wo sie ihre Promotion ablegte. 1939 floh sie ins Exil zuerst nach England und dann in die Dominikanische Republik, wo sie bis 1954 lebte. Nach ihrer Rückkehr veröffentlichte sie 1957 unter dem Namen "Domin" (nach ihrer Exilheimat Santo Domingo) ihre erste Gedichtssammlung "Nur eine Rose als Stütze". 1999 erschien ihr letztes Buch "Der Baum blüht trotzdem". Neben ihrer Lyrik schrieb sie auch einflussreiche poetologische Abhandlungen ("Wozu Lyrik heute?" 1968) und gab die wichtige Anthologie "Doppelinterpretationen" (1966) heraus. Sie erhielt zahlreiche Literaturpreise. Hilde Domin starb 2006. Ihr Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Wolf Biermann

Geboren am 15. November 1936 in Hamburg.

Mit sechs Jahren verliert er seinen Vater, der als Kommunist und Jude im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wird.

1953 übersiedelt Wolf Biermann in die DDR und studiert an der Humboldt-Universität Politische Ökonomie, Mathematik und Philosophie.

Die Gedichtbände „Die Drahtharfe“ (1965) und „Mit Marx- und Engelszungen“ (1968), dann die Langspielplatte „Chausseestraße 131“ (1969), welche im Wohnzimmer Biermanns aufgenommen wurde, erscheinen nur in Westdeutschland.

1964 beginnt er, nach einer Reise in die Bundesrepublik, seine Version von Heinrich Heines Versepos "Deutschland. Ein Wintermärchen" zu verfassen, die 1972 im Wagenbach-Verlag veröffentlicht wird.

Während er sich 1976 auf einer Konzerttournee in der Bundesrepublik befindet, bürgert die SED ihn kurzerhand aus. Seitdem befindet sich Biermann im Exil.

Seine neuesten Gedichte – überwiegend Lieder und Balladen – sind auf der CD „Heimat“ veröffentlicht (2006).

Zu seinem 70. Geburtstag wird ihm von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz verliehen

Am 26. März 2007 erhält er die Ehrenbürgerwürde Berlins

Weitere Informationen zu Wolf Biermann im ZUM-Wiki


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