Kleist08/Kohlhaas trifft Luther

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Michael Kohlhaas trifft den Dr. Luther


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der zu analysierende Textauszug aus der 1810 erschienenen Novelle "Michael Kohlhaas" von Heinrich von Kleist lässt sich als Wendepunkt des Handlungsverlaufs beschreiben. Er beinhaltet die Disputation zwischen Luther und Michael Kohlhaas, in welcher sie die Rechtmäßigkeit des Kohlhaas'schen Rachefeldzugs diskutieren.

Was geht voraus?

Das Gespräch kommt auf Grund von Luthers öffentlichem Plakat zustande, in welchem er Kohlhaas der Ungerechtigkeit und der Mord- und Raublust bezichtigt. Kohlhaas wird von Luther auch der Brandschatzungen und des Rachefeldzuges wegen beschuldigt.

Das Plakat hat Luther verfasst, da sich Kohlhaas in seiner Hybris als Statthalter des Erzengels Michaels bezeichnet. Luther greift hauptsächlich wegen der religiösen Selbstüberhebung Kohlhaasens ein, da er ihn in den "Damm der menschlichen Ordnung" zurückdrängen möchte. Ebenfalls spricht Luther Kohlhaas das Recht auf sein Verhalten ab, da der Landesherr seinen Fall gar nicht kenne.

Dialoganalyse

Übersicht: Abschnitte und Themen

Der Dialogausschnitt kann in drei Abschnitte eingeteilt werden, wobei sich jeder Sinneinheit eine Frage zuordnen lässt

Der erste Abschnitt (S.34 Z.23- S.35 Z.15) beschäftigt sich mit der Frage, ob der Krieg des Kohlhaas rechtmäßig sei. Der Hauptgrund für Kohlhaas ist die scheinbare "Verstoßung" aus der Gesellschaft und daher auch aus der herrschenden Rechtsordnung. Zudem fordert er freies Geleit nach Dresden um dort Klage gegen den Junker von Wenzel zu erheben, mit dem Versuch der Durchsetzung seiner Rechte beginnt der zweite Abschnitt (S.34 Z.15- -S.36 Z.4).Kohlhaas fordert Schadensersatz für seine erlittenen Verluste.

Im Gegensatz dazu setzt sich der dritte Abschnitt (S.36 Z.4- S.36 Z.32) mit der Frage auseinander, ob Kohlhaas verzeihen könne. Verzeihung ist für Luther, aufgrund seines religiösen Denkens, grundsätzlich. Für Kohlhaas jedoch wäre es unvorstellbar gewesen die abgemagerten Rappen wieder aufzunehmen und damit dem Junker zu verzeihen.

Schließlich verspricht Luther Kohlhaas, dass er ihm freies Geleit nach Dresden verschaffen werde.

Teil 1: Wer gab dir das Recht?

Im ersten Gliederungsteil des Gesprächs zwischen Luther und Kohlhaas von S.34; Z.23 bis S.35; Z.15 wird die Frage behandelt, wie Kohlhaas sein Handeln rechtfertigt.

"Wer gab dir das Recht (...) mit Feuer und Schwert die ganze Gemeinschaft heimzusuchen (...)? (S.34; Z.26-27) Mit dieser Anklage eröffnet Luther das Streitgespräch und zwingt Kohlhaas dazu seine Wertmaßstäbe darzulegen. Dieser begründet seinen Krieg mit dem naturrechtlich fundierten Widerstandsrecht. Zudem sieht Kohlhaas sich als ein Ausgestoßener aus der Gemeinschaft, da im seine Rechte versagt wurden und sieht es als seine Pflicht an, in der rechtlosen "Einöde" (S.34; Z.43) , in der er sich nun befindet, seine eigenen Gesetze aufzustellen und diese auch mit Gewalt durchzusetzen (S.35;Z.01).

Luther wiederspricht dieser Argumentation indem er Kohlhaas daurauf hinweist, dass die Klage den Landsherr nicht erreicht hat und selbst wenn dieser wiederrechtlich gehandelt hätte und die Klage niedergeschlagen hätte, nur Gott allein ihn zur Rechenschaft ziehen dürfte.

Darauf erwiedert Kohlhaas, dass, sollte er die Möglichkeit dazu bekommen, er vor dem Landestribunal vorsprechen und seinen Rachefeldzug beenden würde.

Teil 2: Was er denn vom Tribunal verlange?

Verdrießlich lenkt Luther von den Rechtfertigungen Kohlhaas` ab und fragt ihn, „ was er denn vom Tribunal verlange?“ (S.35, Z. 20), worauf Kohlhaas trotzig und unnachgiebig seine Ziele erläutert. Er wolle „ Bestrafung des Junkers, den Gesetzen gemäß, Wiederherstellung der Pferde in den vorigen Stand und Ersatz des Schadens [...]“ (S.35, Z. 21-23) . Fälschlicherweise glaubt Luther zunächst, er wolle seine Schulden, welche er zu Tausenden aufgenommen hat, um seine Vendetta zu finanzieren, decken. Doch Kohlhaas berichtigt dieses Missverständnis sofort, er wolle nur seine Unkosten im Zusammenhang der Rappen decken, welche die Heilkosten und den Schaden durch Nichtverkauf der Rappen betreffe.

Teil 3:

Zusammenfassende Charakteristik

Kohlhaas tritt schon zu Beginn sehr selbstbewusst auf, was ihn arrogant erscheinen lässt. Er setzt Luther unter Druck, indem er ihm androht sich selbst zu erschießen, sollte Luther um Hilfe rufen. Trotzdem verhält er sich äußerst respektvoll; so zieht er den Hut vor Luther, siezt ihn und spricht ihn mit „Hochwürden“ an. Dies macht seine Unnachgiebigkeit um so erstaunlicher, denn trotz seiner Ehrerbietung gibt Kohlhaas nicht nach, sondern er fordert Luther auf, sich seinem Willen zu beugen. Dieses Fordern zeigt sich besonders in der häufigen Verwendung des Imperativs: „setzt euch und hört mich an“ (S.34, Z.15), „Fügt euch meinem Willen“ (S.36, Z.1). Jedoch bleibt Kohlhaas während der Disputation nicht emotionslos, er zeigt durchaus Gefühle, so rollt ihm eine Träne über die Wange.

Luther reagiert anfänglich äußerst erregt, indem er Kohlhaas als „entsetzlichen Mensch(en)“ (S34, Z.23) beschimpft. Er reagiert sehr emotional, bleibt jedoch trotzdem zurückhaltend und würdevoll. Er stellt sich jedoch auf eine höhere Stufe als Kohlhaas, so spricht er ihn im Gegensatz zu Kohlhaas, mit „du“ an. Luther wägt das, was Kohlhaas widerfahren ist, gegen sein Verhalten ab und stellt ihm deshalb viele Fragen. Der intensive Gebrauch von Interrogativpronomen erzeugt die Wirkung von Eindringlichkeit und soll Kohlhaas in die Defensive drängen. Kohlhaas vermag dem durch Wiederholung seiner Forderung zu widerstehen.

Was folgt daraus?

Luther verschafft Kohlhaas Amnestie und freies Geleit nach Dresden um seine Klage dem Kurfürsten von Sachsen erneut vorlegen zu können. Nach der Zusage des Kurfürsten, ihm einen weiteren Prozess zu gewähren, reist Kohlhaas, nachdem er seine "Bande" aufgelöst und deren Waffen beim Gericht in Lützen abgegeben hat, nach Dresden.

Auf dem Marktplatz bittet man Kohlhaas seine Rappen, welche nach langen Nachforschungen in der Stadt von einem Abdecker herbeigeführt werden, zu identifizieren. Kohlhaas erkennt die Pferde nach einer nur flüchtigen Inspektion als die seinen an, welche nur Hohn und Spott der umstehenden Menschenmenge erhalten. Kunz bezahlt dem Abdecker die Pferde und weist einen Knecht an, sie wegzuführen. Daraus entsteht jedoch ein erheblicher Tumult. Da der Knecht sich wegen der Unehrlicheit der Rappen weigert, die Pferde überhaupt nur anzufassen, verliert der Kämmerer die Beherrschung und weist den Knecht aus seinen Diensten. Daraufhin wird der Kämmerer, welcher einen Unschuldigen angriff, selbst von der Menschenmenge attackiert, "warf [...] den Kämmerer von hinten nieder, riss ihm Mantel, Kragen und Helm ab, wand ihm das Schwert aus der Hand und schleuderte es in einem grimmigen Wurf weit über den Platz hinweg." Kunz wird entwürdigt und verliert seine Insignien seines Standes und seiner Macht und nur durch einen zufällig auftauchenden Trupp Soldaten kann der Kämmerer von der Wut der Menge gerettet werden.

Nach längerem Aufenthalt in Dresden muss Kohlhaas doch feststellen, dass die ihm ausgestellte Amnestie immer weiter unterlaufen wird durch schärfere und engere Überwachung. Diese findet ihren Höhepunkt zu dem Zeitpunkt, als Kohlhaas versucht ohne Wache einen alten Bekannten zu besuchen, dies wiederum aber nicht möglich sei. Als Kohlhaas fragt: "ob er Gefangener wäre, und ob er glauben solle, dass sie ihm feierlich, vor den Augen der ganzen Welt angelobte Amnestie gebrochen sei? worauf der Freiherr sich plötzlich glutrot im Gesicht zu ihm wandte, und, indem er dicht vor ihn trat, und ihm in das Auge sah, antwortete: ja!ja!ja!" Hinzu kommt noch, dass die allgemeine Stimmung im Lande sich gegen ihn wandte, welche Kohlhaas dazu veranlässt, zu flüchten.

Nun bietet Nagelschmidt, welcher den Mordbrennerhaufen wieder auferstehen ließ, Kohlhaas die Beihilfe zur Flucht an, unter der Bedingung, dass Kohlhaas die Führung des Haufens übernehmen soll. Durch einen weiteren Zufall jedoch wird der Bote, welcher den Brief Nagelschmidts an Kohlhaas überbringen sollte, aufgegriffen und mittels Bestechung dazu gebracht, seinen Auftrag zu erledigen und so Kohlhaas eine Falle zu stellen. Kohlhaas, der von alledem nichts ahnt, stimmt dem Plan Nagelschmidts zu, nicht jedoch um die Führung des Haufens zu übernehmen, sondern vielmehr um mit seinen Kindern ins Ausland fliehen. Aufgrund der Tatsache jedoch, dass Kohlhaas sich die Blöße gegeben hat, auf diese Finte hereinzufallen, wird ihm umgehend der Prozess gemacht und er wird zum Tode verurteilt.

Lieber D-Kurs: Die überarbeitete Fassung finden Sie in der zu diesem Artikel gehörenden Diskussionseite.
Die - warum auch immer - fehlenden Teile habe ich offen gelassen. Sorry. --K. Dautel 13:25, 7. Jun 2008 (CEST)
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