Kleist08/Briefe an H v Kleist

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Werter Herr von Kleist,

Ich habe es endgültig vollbracht mich durch ihren sehr eigenwilligen Schreibstil, den Sie bei ihrer Novelle Michael Kohlhaas verwendeten, durch zu arbeiten. Zu Beginn der Leseerfahrung erwies sich das als außerortendlich schwer und erst nachdem ich mir auf legaler Weise das Hörbuch zur Unterstützung heranzog, fiel es mir leichter ihrem Stil zu verstehen und den Inhalt zu begreifen. In der Zwischenzeit, nach Beendigung der Lektüre und dem Lesen einiger Kant Zitaten, der einen noch sehr verschachtelteren Schreibstil als Sie pflegt, erweist sich ihre Erzählweise nicht länger als ein Hindernis.

Im Bezug auf den Inhalt stellt sich mir, in Anbetracht ihrer Intention und Grundaussage der Novelle, eine wohl eher nebensächliche Frage: Warum legt der Erzähler bzw. legen Sie so großen Wert darauf die äußerlichen, körperlichen und namentlichen Übereinstimmungen zwischen der Zigeunerin und Kohlhaas‘ Frau zu betonen? Reicht es nicht aus die Zigeunerin zum Symbol des Zufalls zu machen? Ist es nötig die Glaubwürdigkeit, die schon durch die unglaubwürdigen Zufälle leidet, zusätzlich einzuschränken, indem Sie eine auf den ersten Blick unnötige Randerscheinung in Form von lebenden Leichen einbauen? Oder ist die Ähnlichkeit nur ein weiterer Zufall und soll die manchmal erstaunliche Macht des Zufalls unterstreichen? Steht dahinter eine tiefere Logik und Symbolik, die ich aus purer Ignoranz und Unwissenheit nicht erkenne?

Des Weiteren wurde ich gedrängt mich mit einigen Ausschnitten näher zu beschäftigen, um ihre Novelle unter den Aspekten von Recht und Gerechtigkeit zu erfassen. Die Diskussion ob dem Menschen ein Recht auf Widerstand zusteht, kommt in der Novelle sehr schön zu Ausdruck. Ihre Antwort, die ich als eine Art Mittelweg empfinde befriedigt mich nicht völlig: Kohlhaas bekommt Recht, wird aber gleichzeitig für die Mittel bestraft, die er nutzte um auf sein Unrecht hinzuweisen. Doch welche Mittel bleiben einem Bürger in einem korrupten, von Vetternwirtschaft geführten Staat außer der Brechung der bestehenden Rechtsnorm?

Zusammenfassend, eine Recht gut gelungene Novelle mit interessanter Handlung, die sehr eigentümlich und mit einem eigenartigen Charme der Distanz zwischen Leser und Handlung präsentiert wird. Weiterhin gibt ihre Novelle einige Denkanstöße bezüglich dem Konflikt von Positivem Recht und Naturrecht bzw. Widerstandsrecht. Leider wurde diese Diskussion in unseren Breiten bereits entschieden und folglich ihre Novelle an Aktualität einbüßt.

Hochachtungsvoll, ein geneigter Leser




Werter Herr von Kleist,

erst kürzlich habe ich die von Ihnen verfasste Novelle "Michael Kohlhaas" zu Ende gelesen, was mir, ehrlich gesagt, nicht ganz leicht gefallen ist. Ihre durch unzählige Nebensätze überlasteten Satzkonstruktionen trugen weniger zum Verständnis der Novelle bei. Dennoch kann ich Ihnen nur mein Lob aussprechen, sich an solch derartig gewagte Satzkonstruktionen heranzuwagen. Auch muss ich Ihnen gestehen, dass Bücher, in denen Absätze von durchaus seltener Verwendung sind, mich als Leser nicht besonders ansprechen. Nichtsdestotrotz zeichnet ihre Fülle an Informationen die Novelle besonders aus, sodass man nicht aufhören konnte zu lesen bzw. den Satz, den man zu jenem Zeitpunkt gelesen hatte, nicht einfach abbrechen konnte.

Abgesehen von der Schreibweise und der sprachlichen Facette, möchte ich auch noch auf die Thematik zu sprechen kommen, die diese Novelle repräsentiert: Recht und Gerechtigkeit, eine überaus interessante Thematik, die Sie Kohlhaas in ihrer Novelle verschaffen. Ebenso schaffen Sie es, dieses Thema in eine spannende, mit Informationen und Personen überlastete Novelle zu verpacken, dass ich als Leser am Ende das Gefühl hatte, die komplexe Lektüre verstanden zu haben. Zudem ist es überaus erstaunlich, dass der Konflikt auf zwei Rappen basiert.

Zum Schluss lässt sich nur noch sagen: Gelungenes Werk.

Hochachtungsvoll, ein geneigter Leser

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