Kafka09/Lösungsstrategien

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Inhaltsverzeichnis

Arbeitsauftrag

Kohlhaas und K. sind Problemen ausgesetzt, die ihr Leben stark beeinträchtigen. Beide haben sich entschlossen nicht untätig zu sein, sondern etwas zu unternehmen, um ihre Lage zu verbessern. Wie genau verhalten sich die beiden Protagonisten? Worin bestehen die Unterschiede in ihrer Art zu handeln? Gibt es Gemeinsamkeiten in ihrer Handlungsweise und worin bestehen diese?


Lösungsstrategie Michael Kohlhaas

1. Schritt: Deeskalation

Nachdem Kohlhaas aufgefordet wird den Passschein vorzuzeigen oder umzukehren, geht er auf alle Forderungen, die an ihn gestellt werden, ein. Er will niemandem Ärger bereiten und reist ohne seine Pferde und Herse weiter nach Dresden, um sich an die Ämter zu wenden und den Fall zu klären.

2. Schritt: Zurückhaltung unter Protest

Als er dann in dem Wissen, dass kein Passschein existiert, zur Tronkenburg zurückkehrt und seine geschundenen Pferde erblickt, protestiert er, will aber dennoch sicher gehen, dass Herse nichts Unrechtmäßiges getan hat, bevor er etwas gegen die Herren auf der Tronkenburg unternimmt.

3. Schritt: Offizielle Beschwerden

Nachdem sich im Gespräch mit Herse dessen Unschuld herausgestellt hat, beschließt Kohlhaas offiziell Beschwerde gegen die Machenschaften des Junkers von Tronka einzulegen. Dazu reicht er mehrere Klagen beim Kurfürsten von Sachsen ein. Diese wird jedoch aus verschiedenen (unrechtmäßigen) Gründen, die Kohlhaas sehr wohl bekannt sind, nicht stattgegeben. In einem letzten Versuch will er sich persönlich an den Kurfürsten von Brandenburg wenden. Seine Frau Lisbeth überredet ihn dies ihr zu überlassen. Beim Versuch die Botschaft zu überbringen kommt Lisbeth um.

4. Schritt: Rachefeldzug

Nach diesem Schicksalsschlag verkauft Kohlhaas seine Besitztümer und begibt sich auf den Pfad der Rache. Er fällt mit seinen Knechten brandschatzend auf der Tronkenburg ein und will den Junker in die Hände bekommen. Dieser entwischt aber im Chaos des Überfalls. Daraufhin verfolgt ihn Kohlhaas und zündet auf dieser Verfolgung, mit seinem ständig wachsenden Haufen, ein Kloster und die Städte Wittenberg und Leipzig an. Er begründet seine Taten in den von ihm verfassten Mandaten.

5. Schritt: Vermittlung

Als Kohlhaas den Brief Luthers liest, reagiert er betroffen. Er sucht Luther auf, um sein Handeln zu begründen. Er bittet Luther im Verlauf des Gesprächs noch einmal mit dem Kurfürsten zu sprechen, damit er den Fall noch einmal auf legale Weise vorbringen kann. Luther gesteht ihm trotz seiner Abneigung diese Chance zu.

6. Schritt: Rückkehr auf den Pfad der Gerechtigkeit

Nachdem Kohlhaas durch Luther freies Geleit erhalten hat, löst er seinen Haufen auf und reist nach Dresden um seine Klage vorzubringen. Dort verhält er sich zuerst ruhig und wartet auf den Ausgang des Verfahrens.

7. Schritt: Verärgerung

Nach einer Weile stellt Kohlhaas fest, dass er die ihm versprochene Freiheit gar nicht besitzt. Er entschließt sich daraufhin sich auch nicht mehr an die Vereinbarungen zu halten und verfasst einen Brief an seinen "Kampfgefährten" Nagelschmidt, der den Haufen wieder aufgebaut hat, und bittet diesen ihn zu befreien. Kohlhaas will nach dieser Befreiung das Land verlassen, um wieder ein ruhiges Leben zu führen. Kohlhaas Brief wird jedoch abgefangen und fehlgedeutet. Dies hat seine Verurteilung zu Folge. Durch eine Fügung des Schicksals hat Kohlhaas das zweifelhafte Glück erst in Berlin das finale Urteil zu erhalten.

8. Schritt: Verweigerung

Auf der Reise nach Berlin begegnen sich Kohlhaas und der Kurfürst von Sachsen zufällig. Während der Unterhaltung kommt eine Kapsel, die Kohlhaas um den Hals trägt, ins Gespräch. Er hatte sie im Beisein des Kurfürsten vor einiger Zeit von einer Zigeunerin erhalten. In ihr ist die Zukunft des kurfürstlichen Geschlechts enthalten. Der Kurfürst will diese Kapsel natürlich mit allen Mitteln in seinen Besitz bekommen, Kohlhaas verweigert sie ihm aber in mehreren Fällen. Am Ende der Novelle erhält Kohlhaas sein Recht. Dies hält ihn aber nich davon ab seinen Widerstand gegenüber dem Kurfürsten aufrecht zu erhalten. Er öffnet die Kapsel vor dessen Augen, liest den enthaltenen Zettel und verschlingt ihn. Daraufhin wird er für seine begangenen Verbrechen dekapitiert.

Lösungsstrategie Josef K.

1. Schritt: Zurückhaltung

K. lässt die Verhaftung erst einmal über sich ergehen. Er leistet anfangs keinen Widerstand, weil er auf der einen Seite von den Ereignissen überrumpelt wurde und auf der anderen Seite alles für einen Scherz der Kollegen hält. Im Gespräch mit dem Aufseher zeigt sich aber, dass er nicht alles mit sich machen lässt und protestiert gegen die Verwendung von Fräulein Bürstners Zimmer. Dann ist er von den seltsamen Umständen der Verhaftung aber wieder so vereinnahmt, dass er passiver wird und abwartet bis sich wieder eine Situation ergibt, die seiner Ordnung entspricht.

2. Schritt: Ordnungssuche

K. versucht am selben Abend die Ordnung in seinem Leben und dem seiner Mitmenschen zurückzubringen. Dazu entschuldigt er sich bei seiner Vermieterin für die Umstände, die er ihr an diesem Tag gemacht hat. Diese ist über die Ereignisse aber nicht sonderlich erstaunt und meint, dass ihr das nichts ausgemacht hätte. Im Anschluss daran sucht K. auch noch Fräulein Bürstner auf, um sich auch bei ihr zu entschuldigen. Das Gespräch ist von zweifelhaftem Erfolg. Er hat es zwar geschafft sich zu entschuldigen, doch war das Fräulein Bürstner über seine stürmischen Küsse am Ende des Gesprächs nicht sonderlich erfreut.

3. Schritt: Offener Widerstand

Als es zur ersten Verhandlung bei Gericht kommt, sagt K. deutlich, dass der bisherige Verlauf seiner Verhaftung und des Verfahrens ihm missfällt. Er klagt das Gericht und alle Angestellten der Korruption und anderer Dinge an und erregt mit diesem Verhalten die Gemüter. Desweiteren rechnet K. mit einem baldigen Ende des Prozesses, weil er bei sich keine Schuld finden kann und das den Verantwortlichen sehr bald klar werden sollte.

4. Schritt: Trotz

Weil K. so sehr über das Gericht aufgebracht ist, will er das Verfahren schnell hinter sich bringen udn geht aus eigenem Antrieb zu Gericht. Schon sein Abgang aus dem ersten verfahren zeigt, wie lästig er das Verfahren findet ("...ich schenk euch alle Verhöre..." S.39 Z.27). Nach dem Erlebnis in den Kanzleien will er aber erst einmal Abstand vom Gericht. Dies ist ihm aber durch das Erscheinen des Prüglers nicht möglich und er muss sich wieder einmal mit dem Gericht und den verwirrenden Umständen auseinandersetzen.

5. Schritt: Nachlassen

K. lässt sich von seinem Onkel dazu überreden einen befreundeten Advokaten um Hilfe für das Verfahren zu bitten. Dies erscheint ihm auch selber sinnvoll, weil er bisher keinen Erfolg in seinem Handeln sieht. Beim Advokaten lernt er auch Leni kennen und fängt mit ihr eine Affäre an, eine Affäre, die ihn bei jedem Gedanken daran an das Gericht erinnern muss. Obwohl nun der Advokat die Dinge, die das Gericht betreffen, regelt, will K. nicht untätig bleiben und trifft sich, auf das Anraten eines seiner Kunden, mit dem dem Maler Titorelli. Das Gespräch mit diesem verwirrt K. noch viel mehr und er ist am Ende geradezu gezwungen dem Maler einige Bilder abzukaufen. Er bleibt zudem noch aktiv, indem er den Advokaten darauf drängt, die Eingabe endlich fertigzustellen.

6. Schritt: Neuorientierung

Nachdem der Advokat Huld es nach einer recht langen Zeit immernoch nicht geschafft hat die Eingabe zu verfassen, kündigt er ihm. Bei der Kündigung tragen die Ereignisse noch dazu bei seine Meinung zu bestätigen, dass er sich nun besser selbst um alles kümmert. Die Kündigung hat auch den Abbruch der Affäre mit Leni zur Folge. Trotz nachlassender physischer Leistungsfähigkeit, will er die Eingabe schnell selbst verfassen, was sich aufgrund seines Berufes als nahezu unlösbare Herausforderung darstellt.

7. Schritt: Resignation

Der Kraftverlust K.s nimmt immer weiter zu. Das zeigt sich auch bei der begegnung mit dem italienischen Geschäftspartner und dem anschließenden Besuch im Dom. Die realität scheint für K. zu verschwimmen schon bevor er auf den Gefängniskaplan trifft. Als er schließlich abgeholt wird, ist er schon nicht mehr in der Lage auch nur ein wenig Widerstand zu leisten und ordnet sich den Beamten unter. Diese tragen ihn geradezu zum Steinbruch, wo er letztendlich exekutiert wird.

Vergleich

Hier noch eine Grafik, die den "Widerstandsgrad" von Josef K. und Michael Kohlhaas auf einer Skala von 1 bis 10 vergleicht.

Wie man sieht verhalten sich K. und Kohlhaas sehr ähnlich. Beide fangen vorsichtig an, leisten dann aber starken Widerstand. Danach lassen sie beide etwas nach, wobei Kohlhaas am Ende noch einmal massiven Widerstand leistet, K. jedoch resigniert. Was außerdem noch am Schaubild auffällt ist die Ähnlichkeit zum Verlauf der Spannungskurve des klassischen Dramas. Am Anfang steigt sie bis zum Wendepunkt an und fällt danach wieder ab. Sie endet entweder in der Katastrophe (hier K.) oder einem Sieg des Protagonisten (Kohlhaas stirbt zwar, bekommt aber sein Recht).

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