Kafka09/Helferinnen
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"Du suchst zu viel Fremde Hilfe und besonders bei Frauen!" -> K.s Beziehung zu seinen weiblichen Bekanntschaften (Fräulein Bürstner, Leni und die Frau des Gerichtsdieners)
Fräulein Bürstner, die Flurnachbarin K.s mit beruflichen Aufstiegschancen zur "Kanzleikraft" (S.23), aber auch mit einem von Frau Grubach (S. 20) angedeuteten Hang zur Prostitution, erweckt bei K. sexuelle Begierde. Diese sexuelle Begierde spührt K. erstmals, als er eine „weiße Bluse“ (S.11, Z. 44) in Fräulein Bürstners Zimmer „ an der Klinke des offenen Fensters“ hängen sieht. Er möchte sich bei ihr für die Unordnung in ihrem Zimmer entschuldigen, welche durch die Wächter am Morgen entstanden ist. Doch die Begegnung der beiden endet in einem sexuellen Überfall K.s. Fräulein Bürstner entzieht sich jedoch diesem Überfall und weißt K. ab, somit kann K. sie auch nicht in die „Unreinheit“ treiben. Für K. ist Fräulein Bürstner eine Begierde, die unerreichbar ist, sie entzieht sich ihm letztendendes erfolgreich. Fräulein Bürstner erscheint abermals vor K.s Hinrichtung, als eine Art Schatten, der wiederum unerreichbar ist.
Leni, die Pflegekraft des Advokaten, begegnet K. immer nur, wenn er seine Pflichtbesuche beim Advokaten erledigt. Als er das erste Mal Leni sieht, werden in ihm ebenfalls sexuelle Gelüste ausgelöst. Diese Lust wird auch von Leni gestillt, doch sie gewinnt nach und nach die Oberhand, K. ahnt dies jedoch nicht und Leni treibt ihn somit in sein Unglück, da sie als Lockvogel des Advokaten dient. Bei jedem Besuch lässt sich K von Leni ablenken und dabei gerät der Prozess in den Hintergrund. Er erhofft sich jedoch auch ihre Hilfe, da sie aus seiner Sicht, als Hilfskraft des Advokaten einen gewissen Einblick in das Gerichtswesen besitzt.
Die Frau des Gerichtsdieners, eine in ärmlichen Verhältnissen lebende und freizügig gekleidete Frau, trifft K. das zweite Mal im Sitzungssaal, als er sonntags hingeht und hofft, dass es eine erneute Sitzung gibt. Sie öffnet ihm die Türe und dabei fällt K. der Vorfall während der ersten Voruntersuchung ein, bei der die Frau des Gerichtsdieners von einem Studenten zu Boden gezerrt und vergewaltigt wurde. Sie erklärt ihm die Situation, dass sie keine andere Möglichkeit besäße, da der Student, welcher sie zu Boden zerrte, in ferner Zukunft mehr Macht im Gericht besitzen würde. Währendessen bietet sie sich K. immer wieder an. K. zweifelt an ihrer Kompetenz und während er sich seinen Gefühlen bewusst wird, kommt der Student herein, und K. gerät in den Hintergrund. Die Frau des Gerichtsdieners wirft sich sofort dem Studenten um den Hals, somit ist sie ebenfalls eine Frau, welche für K. unerreichbar ist und die Gelüste K.s stillen soll.
Zusammenfassend kann man sagen, wenn sich K. an eine Frau wendet, sieht er in ihr immer ein sexuelles Objekt, er sieht nicht die Charakterzüge und das Wesen der Person. Er sieht in diesen Frauen jedoch immer eine zusätzliche Funktion, nämlich das Sammeln von weiteren Informationen über den Prozess und über das Gericht.
- Inspiration: "Klausurtraining" F. Kafka: Der Prozeß, Klett 2008
