Kabale III,4

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Bürgerliche Trauerspiel "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller behandelt die Problematik der Standesgrenzen und den Konflikt zwischen familiärer Pflicht und freier Liebe. Typisch für die Dramaturgie des "Sturm und Drang" ist der Bruch der bisher existierenden Normen. Dem entspricht auch Schiller, indem er zum ersten Mal das Handeln in der bürgerlichen Welt tragisch wirken lässt. Ebenso zielt der Inhalt dieser Tragödie auf Kritik an der damaligen Gesellschaftsordnung ab.

Hinleitung

Der zu analysierenden Szene gehen weitgreifende Ereignisse voraus. Im Mittelpunkt der Handlung steht die verbotene Liebe zwischen der bürgerlichen Luise und dem adligen Ferdinand von Walter. Anfangs existiert diese Liebe nur im Verborgenen, kommt jedoch rasch ans Tageslicht und bringt schwerwiegende Konsequenzen mit sich. So sieht sich Präsident von Walter, angetrieben durch die Drohung seines Sohnes, gezwungen, dieser Liebe ein Ende zu bereiten und verbündet sich zu diesem Zweck mit seinem Sekretär Wurm. Dieser kennt aufgrund seiner Position zwischen Bürgertum und Adel sowohl Stärken als auch Schwächen beider Seiten und spinnt eine Intrige, die die Eifersucht des jungen Ferdinand schüren soll. Unmittelbar vor der Szene wird der Hofmarschall ebenfalls für die Intrige gewonnen und dient als unbekannter Geliebter Luises.
Die Intrige wirkt sich zwar noch nicht auf die Szene aus, jedoch zeigen sich die vorangegangenen Ereignisse deutlich in den Handlungen der Hauptfiguren.

Szenenanalyse

Situationsbeschreibung

Die 4. Szene, Akt 3 spielt in einem Zimmer in Millers Wohnung. Der bürgerliche Haushalt repräsentiert einen Ort der Ehrlichkeit, der Ehrbarkeit und der Gefühle.

Nachdem die Intrige des Präsidenten gesponnen ist treffen sich hier Luise und Ferdinand endlich wieder alleine (siehe Szene I,4).

Im Kontrast zu den vorhergegangenen Szenen, befinden wir uns wieder im bürgerlichen Haushalt. Luise und Ferdinand treffen sich alleine um offen über ihre Zukunft zu sprechen, denn im Gegensatz zum Hofe werden keine wahren Gefühle offenbart, es herrschen Falschheit und Bosheit.

Beim letzten Treffen der beiden Liebenden tauschten diese noch Zärtlichkeiten und süße Worte aus. In dieser Szene treten jedoch erste Zweifel an der Stärke ihrer Liebe und deren Zukunft auf. Ferdinands Vertrauen in Luise schwindet mehr und mehr und schlägt in starke Eifersucht um. Diese Szene bildet einen starken Kontrast zu dem bisher Geschehenen.

Gliederung und Kurzinhalt

Die Szene lässt sich in drei Sinneinheiten untergliedern. Der erste Teil reicht vom Anfang der Szene bis Seite 50, Zeile 14. Luises Verhalten zu Beginn lässt darauf schließen, dass dem Gespräch schon etwas vorangegangen sein muss, denn ihr Dialogseinstieg ist ungewohnt für den Beginn einer Unterhaltung ("ich bitte dich, höre auf." S.49/Z.1). Luise sieht keine Hoffnung mehr für ihre Beziehung mit Ferdinand. Er hingegen wird immer realitätsferner und

Dialoganalyse 1. Textabschnitt

Die Szene lenkt das Augenmerk auf die beiden Hauptfiguren zurück. Der Zuschauer steigt direkt in einen Dialog der Beiden ein ("ich bitte dich, höre auf") und erlangt einen Einblick in das Innerste der beiden Hauptfiguren. Ferdinand plant in dieser Szene die Flucht von ihm und Luise. Im Gegensatz zu Luise bindet ihn nichts mehr an seine Familie oder den Hof. Aufgrund Luises Einsicht sich über die Standesgrenzen nicht hinweg setzen zu können und ihrem Pflichtgefühl gegenüber ihrem Vater entsteht ein innerer Konflikt. Ferdinand ist überzeugt davon sich über die Standesgrenzen hinwegsetzen zu können, um seine Liebe zu beschützen. Für Fedinand ist die Liebe zu Luise das Höchste ("Du, Luise, und ich und die Liebe!...oder brauchst du noch etwas viertes dazu?"). Doch als Luise ihn an seine Pflichten erinnert und somit den Fluchtversuch ablehnt, bricht für Ferdinand eine Welt zusammen. So ist diese Szene die Peripetie des Dramas, die entscheidende Schicksalswende.

Dialoganalyse 2. Textabschnitt

Im zweiten Gliederungsteil versucht Luise ihre Handlungen zu rechtfertigen, um Ferdinand das Ende ihrer Liebe nahe zu bringen. Sie bringt verschiedene Rechtfertigungen an, um ihre Entsagungsbereitschaft zu unterstreichen. Sie verweist auf die allgegenwärtigen Standesgrenzen, die ihrer Liebe im Weg stehen, denn sie sieht ein, dass beide sich nicht über sie hinwegsetzen können. ("Man verliert ja nur, was man besessen hat, und dein Herz gehört deinem Stande" S.50 Z.19/20) Sie ist bereit, die ganze Schuld der gescheiterten Liebe auf sich zu nehmen und dafür Opfer zu bringen, um Ferdinand den Abschied zu erleichtern.
Luise gewinnt während des Dialoges an Klarheit, sie dominiert das Gespräch, spricht ruhig und ernsthaft über die Dinge, mit denen sie schon innerlich im Klaren ist und gewinnt an Festigkeit, auch wenn es ihr schwer fällt, ihre Traurigkeit zu verbergen und ihre Tränen zu unterdrücken. Sie erinnert Ferdinand an "die allgemeine ewige Ordnung" (S.50 Z.29) und rüttelt ihn aus Trotzigkeit auf und fordert Contenance. ("Ermanne dich. Fassung verlangt diese Stunde - es ist eine trennende" S.50 Z.39/40)
Ferdinand hingegen gerät immer mehr in Rage: Er steht, "das Gesicht verzerrt und an der Unterlippe nagend" (S.50 Z.22/23) vor Luise, zerschlägt in seiner Wut eine Violine und bricht in hysterisches Gelächter aus. Sein einziger Einwand ist die Frage "Gibst du ihn auf?" (S.50 Z.23), der einmal mehr seine rasende Eifersucht unterstreicht.

Dialoganalyse 3. Textabschnitt

Zeile 7-20, Seite 51

Mit der Aussage "Leben sie wohl, Herr von Walter."(Z.7-8, S.51) distanziert sich Luise endgültig von ihrem Geliebten Ferdinand. Dieser reagiert darauf, indem er wie aus Trance erwachend aufspringt und ihr die letzte Gelegenheit geben will, mit ihm zu kommen. Daraufhin beruft sich Luise wiederholt auf ihre Pflicht als Bürger und Tochter und verneint das Angebot mit der Aussage : "Meine Pflicht heißt mich bleiben und dulden." (Z.12-13, S. 51). Nun distanziert sich Ferdinand soweit, dass er nicht mehr mit ihr kommuniziert, sondern sie aus klagt sie aus höherer Position (vielleicht seines Standes gerecht) an, wegen einem anderen Liebhaber zu bleiben. Insgeheim ist er schon mit seinem Racheplan beschäftigt, dem Ganzen ein Ende zu setzen.

Luise resigniert so weit, dass sie die Vermutung ihres Geliebten im Raum stehen lässt, da sie denkt, die Vorstellung Ferdinands würde es ihm einfacher machen, sie zu verlassen. Auch wenn sie durch ihre Stimmlage tiefstes, inwendiges Leiden ausdrückt, nähert sie sich Ferdinand nicht mehr an. Ferdinand stellt noch einmal die kalte bürgerliche Pflicht gegen seine feurige Liebe aus der unterbewusst seine Eifersucht resultiert und geht schnell ab um einen getroffenen Eindruck zu hinterlassen.

Die Körpersprache zeigt bei Luise zunenmend eine in sich gekehrte Haltung, während Ferdinand, nachdem er aus Trance erwacht, immer weiter aufbraust, bis er das Zimmer in Millers Wohnung verlässt. In diesem Abschnitt sind von Seite Ferdinands einige Metaphern wie "kalte Pflicht", "feurige Liebe" und "Schlange" zu finden, welche den Abschnitt sehr dramatisch gestalten. Der Schwerpunkt der Kräfteverhältnisse verschiebt sich vom vorher doch so selbstsicheren Ferdinand auf die nun immer selbstbewusstere Luise.

Dramaturgische Wirkungselemente

Wenn man die Regieanweisungen in dieser Szene betrachtet, fällt auf, dass im ersten Teil der Szene weit weniger Regieanweisungen verwendet werden als im zweiten Teil.

Die Anweisungen in der zweiten Hälfte der Szene erzeugen viel Dynamik durch Kontraste. Ferdinand zerstört energiegeladen eine Violine, verfällt dann in Lethargie und springt aus dieser wieder auf.

Schiller versucht während der gesamten Szene den Zuschauer emotional einzubinden und ihn mitfühlen zu lassen. Die Regieanweisungen transportieren viele Emotionen: " sie umarmend" (S.49, Z.35), "das Gesicht verzerrt und an der Unterlippe nagend" (S.50, Z.22), "Tränen unterdrückend" (S.51, Z.1), "im Ton des tiefsten inwendigen Leidens" (S.51, Z. 15).

Am Ende der Szene äußert Ferdinand seinen Verdacht, dass Luise von einem Liebhaber gehalten wird. Durch die direkt vorausgegangene Szene weiß der Zuschauer von der Intrige, der Ferdinand nun unwissentlich vorausgreift. Schiller erzeugt hiermit beim Zuschauer das Gefühl, dass die Intrige funktionieren könnte und baut somit Spannung auf.

Einordnung

in die Dramenhandlung

In dieser Szene stellt Schiller Luise als handelnde Figur dar, die bereit ist, Verantwortung und Entscheidung auf sich zu nehmen und auch die persönlichen Folgen und Konsequenzen zu tragen. Sie unterscheidet sich in ihrem Pflichtbewusstsein von Ferdinand, der durch die Unmoral des Adels geprägt ist. Da Luise aus Angst um ihren Vater einen Brief an ihren vermeintlichen Liebhaber schreibt, wächst in Ferdinand die Eifersucht. In der Dramenstruktur stellt diese Szene die Peripetie dar:

Die tief empfundene Liebe wird nun durch die Eifersucht und den Besitzanspruch Ferdinands und die unterschiedliche Auffassung von Pflicht und Liebe in zerstörerische Bahnen gelenkt. Die Intrige des Secretarius Wurm und des Präsidenten beginnt zu wirken; die Liebenden werden immer weiter getrennt.

Folgen und Auswirkungen für den weiteren Verlauf

In der vorliegenden Szene kippt die Handlung; daraus folgt der Untergang der tragischen Figur und somit Luises Sturz in die Katastrophe.

Im Folgenden wird die Intrige noch weiter gesponnen und realisiert: Luise schreibt, gezwungen von Wurm, einen "Liebesbrief" an den Hofmarschall, in dem Wissen, dass dieser Ferdinand von ihr abbringen würde.

Ferdinand springt darauf an, wird rasend und beschließt die Vergiftung Luises und sich selbst, da er sich von einer "höheren Gerechtigkeit" zu diesem Rache-Akt berufen fühlt.

In dem Wissen um diesen Brief heuchelt der Präsident einen Meinungsumschwung und er empfiehlt Ferdinand, Luise zu lieben, doch dieser kann das Angebot jetzt nicht mehr annehmen. Er ist bereits Spielball der Intrige.

Kontextualisierung

Hier kann vergleichend Bezug genommen werden auf weitere bekannte literarische Werke mit ähnlicher Thematik, vergleichbaren Konflikten und Figuren, z.B. "Effi Briest" von Theodor Fontane.


Diese Szenenanalyse wurde kooperativ erstellt am 13./14.Dezember 2006

Siehe auch das Protokoll Nr. 9 von David.


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