Im Partykeller
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(2. Aufzug, 1. Szene)
- Partykeller des Freiers von Attinghausen
Ein großes Zimmer, mit riesigen Boxen und Anlage verziert. Der große 85-jährige Freier mit einem pinken Pogostock und einer coolen Pelzjacke. Kuoni und sechs andere Partygänger stehen um ihn herum.
- Ulrich von Rudenz betritt den Keller in Partykleidung und Atzenbrille.
RUDENZ. Ich bin da, Onkel. Was willste?
ATTINGHAUSEN.
Lasst uns erst ein bisschen Sekt trinken.
- (Er trinkt aus einem Sektglas, das dann herumgeht)
Früher bin ich noch selber um die Häuser gezogen, heute sitze ich nur noch hier. Bald beiß ich ins Gras.
KUONI. (zu Rudenz mit dem Sektglas)
Ich geb's dir.
- (Weil Rudenz zögert, das Sektglas zu nehmen. )
Trink halt!
ATTINGHAUSEN. Geht, und nachher reden wir vom Landesbusiness.
- (Partygänger springen mit Pogostöcken weg)
Attinghausen und Rudenz
ATTINGHAUSEN. Ich sehe, du bist für eine Party ausgestattet. Du willst ins Dorf der Alten in die Herrenburg?
RUDENZ. Ja, Onkel, und ich darf nicht länger warten.
ATTINGHAUSEN (setzt sich).
Hast du's so eilig, dass du nicht länger bei deinem coolen Onkel bleiben kannst?
RUDENZ. Ich sehe, dass du mich nicht mehr brauchst, ich bin fremd in diesem Keller.
ATTINGHAUSEN (hat ihn lange angeguckt).
Ja, leider bist du hier fremd. Früher warst du anders, jetzt siehst du aus wie ein Österreicher und den Schweizer verachtest du.
RUDENZ. Verachten tue ich ihn nicht, aber das Recht, das er sich nimmt, geb' ich ihm nicht.
ATTINGHAUSEN. Das ganze Volk leidet, und du hängst mit den Österreichern ab.
RUDENZ. Wenn man mit den Österreichern abhängt, ist's einfach, sie können einen guten Kaiser stellen.
ATTINGHAUSEN. Dass ich das von dir hören muss!
RUDENZ. Was für eine Rolle spielst du hier? Würdest du nicht viel lieber mit dem König als mit den Bauern hier feiern.
ATTINGHAUSEN. Du wurdest verführt, man erkennt es daran, wie du sprichst.
RUDENZ. Ja, ich wurde verführt, ich will den Ruhm in Österreich und nicht als Bauer abgetan werden.
ATTINGHAUSEN. Ach, Uli, Uli! Geh nicht ins Dorf der Alten, du wirst Sehnsucht nach deinem Zuhause bekommen. Was ist nur in dich gefahren, dass du dich wegen deiner Heimat schämst?
RUDENZ. Der König ist total stark, die Welt gehört ihm. Und seine Nachkommen werden bestimmt auch irgendwie gut sein.
ATTINGHAUSEN. Bist du so klug? Fahr doch nach Luzern, da siehst du, was die Österreicher machen, wenn die kommen sind wir nicht mehr frei.
RUDENZ. Was können wir Bauern gegen so eine Riesenarmee machen?
ATTINGHAUSEN. Lern diese Bauern erstmal kennen! Ich hab gesehen, wie die kämpfen können. Lerne deine Herkunft kennen und halte zu den Schweizern. Bleib noch einen Tag hier, geh morgen erst ins Dorf der Alten!
- (er nimmt seine Hand)
RUDENZ. Ich hab's versprochen, ich muss da hin!
ATTINGHAUSEN (lässt ernst seine Hand los)
Wegen der Liebe musst du da hin!
- (Rudenz dreht sich um)
Du willst die Partyfrau Berta von Bruneck, die zieht dich zur Herrenburg. Aber die Braut zeigt man dir nur, um dich anzulocken.
RUDENZ. Sei still, ich gehe jetzt.
- (Er hüpft mit dem Pogostab weg)
ATTINGHAUSEN. Verrückter Junge, bleib hier! Das fremde Neue zerstört das alte Gute und nimmt die jungen Leute von heute hier mit. Ich hätte den Löffel schon längst abgeben müssen, die Jugend denkt anders als meine Generation!
- (Er will mit seinem Pogostab weghüpfen, fällt aber und humpelt davon.)
--SquidFan --luksanft 15:13, 7. Mai 2010 (CEST) - zurück zum Projekt Willihell Telm
