Goethe10/Protokoll3

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Stundenprotokoll vom 27. 4. 2010

Thema: Von der Gelehrten-Tragödie zur Gretchen-Tragödie

Nachdem wir zu Anfang ausführlich über unterrichtsfremde Dinge diskutiert hatten, wurde die Hausaufgabe vom Donnerstag, den 22. 4. an die Tafel gehängt: Unsere Versionen eines Vertrages zwischen Mephistopheles und Dr Johann Faust. Anschließend besprachen wir einige Verträge, die besonders herrausstachen, und betrachteten sie besonders unter den Gesichtspunkten der Sprache, äußeren Form und Sachlichkeit um das Wesen eines Vertrages herauszuarbeiten. Als Quintessenz daraus schlossen wir, dass ein Vertrag keine allzu persönlichen Daten enthalten sollte, wie es bei einigen unserer Verträge der Fall gewesen ist.

Als nächstes lasen wir das Hexeneinmaleins (2540 – 2552), welches im Gesamtgeschehen so einzuordnen ist, dass Mephisto Faust zu der Hexe bringt, um ihn behexen zu lassen, auf dass er wieder „jugendlich“ werde und sich wieder an den weltlichen Genüssen erfreuen könne.

Herr Dautel schob außerdem nach Anweisung der Lektüre zehn Zahlenkärtchen mit den Ziffern von eins bis zehn an der Tafel hin und her. Nach einigen Anläufen war aus den Kärtchen ein „magisches Quadrat“ entstanden, das so aussah:  Bild:Magisches_quadrat.jpg

Die Besonderheit dieses Quadrates ist, dass sich sowohl vertikal- als auch horizontal- und diagonal gelesen, wenn man die Ziffern zusammenzählt, eine Summe von 15 ergibt. Früher glaubte man nämlich, Zahlen seien nicht nur Konstruktionen, sonder sie hätten auch einen besonderen Zauber inne, mit dessen Hilfe man Geister etc. beschwören könne. Anschließend lasen wir den Abschnitt von Vers 2593 bis Vers 2677, in dem die Verjüngung Fausts geschildert wird, und charakterisierten diesen dann als übermütig, „triebgesteuert“, hybrid und herrisch.

Zur Figur des Gretchens lasen wir einen historischen Text über ein Mädchen namens Susanna Margareta Brandt, das die Inspiration für den Charakter des Gretchens gewesen ist. Susanna hatte ihr uneheliches Kind umgebracht und war zu Goethes Sturm und Drang Zeit zum Tode verurteilt worden. Der damals noch junge Jurist war insofern in den Fall verwickelt, als dass ihn das Geschehnis zutiefst entsetzte.

Bei der Lektüre der „Abend“ Szene entbrannte dann eine Diskussion über die diversen, mehr oder minder moralisch verantwortbaren Umsetzungen des Teils, in dem Gretchen sich singenderweise entkleidet, im Theater. Danach besprachen wir den gelesenen Abschnitt in unseren eigenen Worten und definierten ihn als „Liebestraum“ und Gretchens Zimmer als „Palast bzw. Heiligtum“ (Desiree), zu dem Mephistopheles Faust Zutritt beschafft hat, nachdem dieser sich auf der Straße, von seiner neuen Jugend mit Sicherheit beeinflusst,spontan in Gretchen verliebt hatte. Er dringt also in die Privatsphäre von Gretchen ein und „besichtigt“ Gretchens Kämmerlein wie in einem Traum.

Durch die Sprache in jenem Abschnitt wird das Sakrale verdeutlicht, es kommen vermehrt Begriffe wie Heiligtum, Seligkeit,usw. vor. Außerdem stellten wir fest, dass Faust zwar nicht mehr ganz bei Sinnen ist, aber dennoch noch nicht ganz verwandelt zu sein scheint, da er bemerkt, dass er nicht mehr er selbst ist. Er schenkt ihr dennoch den Schmuck, den Mephistopheles ihm besorgt hat, um ihm die Zweifel an der Richtigkeit seines Vorhabens auszutreiben, die zweifelsohne den Sieg bei der Wette zwischen Mephistopheles und Gott gefährdet hätten, und verlässt das Zimmer wieder.

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