Goethe08/Protokoll6
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Protokoll der Deutschstunden am 07.Oktober 2008
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Wald & Höhle
Diese Szene ist ein entscheidender Wendepunkt im Hinblick auf Fausts` Beziehungen. Um sich die Umstände besser klarmachen zu können, haben wir einen kurzen Rückblick und einen Ausblick in vergangene und kommende Szenen gemacht.
Speziell im Fall der Beziehung zu Gretchen war die erste Begegnung eine bloße Geste der Begierden von Faust. Nachdem er verjüngt wurde und Gefühle für die schöne Helena empfand, sah er nun auch in Gretchen seine Helena. Doch muss man unterscheiden zwischen Liebe, die Gretchen im Laufe der Zeit für Faust entwickelt und den niedrigeren sexuellen Gelüsten, die Faust, dank Mephisto, für Gretchen empfindet.
In der nun von Goethe nachträglich hinzugefügten Peripetie „Wald & Höhle“ erlebt Faust ein beinahe religiöses Naturerlebnis. Man muss auch beachten, dass der Handlungsort nun nicht mehr der in der rechtschaffenden Welt ist, sondern in freier Natur. Faust gibt sich nachdenklich und durchläuft einen Prozess der Selbstreflexion. So erkennt er, dass er Gretchen, die einst als braves, unschuldiges und gottesfürchtiges Bürgermädchen galt, ins Unheil stürzen wird (Z. 3360-3365). Durch seine zügellosen Triebe und seine Begierde würde er sie verderben und er scheut sich nun, sie wieder zu sehen.
Mephistos Rolle
Doch Mephisto bemerkt, dass ihm Faust somit entgleiten würde und zeigt nun sein wahres Gesicht. Er wird zunehmend dominant und beleidigend, macht sich über Faust lustig und zeigt wieder Stärke. Er bricht somit aus der Dienerrolle aus, die er zuvor eingenommen hatte, als er Geschenke für Gretchen besorgt, sich als Kuppler und Vermittler aufführt hat. Zu dieser Zeit empfand Faust die Abhängigkeit als einen Teil seiner Wette bzw. des Paktes. Als er nun aber in „Wald & Höhle“ zu begreifen beginnt, was er an Gretchen anrichtet, ist ihm diese Abhängigkeit lästig und schmerzlich.
Gretchen
Des Weiteren realisiert Gretchen, dass sie zwar Faust liebt, doch ihn nicht ohne Mephisto bekommt (vgl. „Zwinger“). So rührt sie zwar das Glaubensbekenntnis Fausts` in „Marthens Garten“, doch beruhigt es sie nicht ganz. Sie fürchtet sich vor Mephistos dunkler Gegenwart. Darüber hinaus werden ihre Gewissensbisse verstärkt, als sie mit Lieschen über den neuesten Tratsch unterhält. So sieht sie die Parallelen zwischen ihr und Bärbelchen, die, nun wie sie selbst, ein Kind erwartet.
In der Szene „Nacht“ tötet Faust Gretchens Bruder, der ihr dann sterbend seine Ansicht vor Augen führt. Er beleidigt sie als „Hure“ (Z. 3730) und wirft ihr vor, dass sie sich verkauft hat. Die Tatsache, dass Faust geflohen ist, dürfte ihr bewusst gemacht haben, wie Recht ihr Bruder hat. Die Stimme des bösen Geists in der Szene „Dom“ kann man gut als Gewissen bezeichnen (Z.3776-3793), der ihr vor Augen führt, dass sie sich verändert hat. In Zeile 3821 spricht er von „Sünd und Schande“, letztendlich bricht sie,möglicherweise unter der Last der Anschuldigungen, zusammen.
Fausts Schicksal
Faust entzieht sich der Verantwortung und schlägt wieder den Weg Mephistos` ein. Die kurze Besinnung auf den rechten Pfad machte ihm lediglich bewusst, dass er Gretchens Schicksal besiegelt hat und sie nun mit in den Abgrund stürzt.
