Goethe08/Protokoll4
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Protokoll der Deutschstunden am 24. /25. September 2008
Thema:
Nachtrag
Mephistopheles versteht sich als Teil von einem System mit zwei Gegenpolen. Er ist der verneinende zerstörende Gegenpol zu Gott, dem schaffenden Gärtner. Somit erkennt er, dass sein Handeln nie von Erfolg gekrönt sein kann. Durch diese Konstellation spiegelt sich das Denkmuster von These und Antithese, die in einer Synthese aufgehen, wieder.
Leitfrage der zwei Stunden:
Welche Art von Vereinbarung treffen Faust und Mephisto?
Unterscheidung Wette/ Pakt:
Ein Pakt ist ein Vertrag zum gegenseitigen Nutzen der Vertragspartner. Bei einer Wette dagegen, gibt es zwangsläufig ein Gewinner und Verlierer.
Mephisto besucht Faust erneut und schlägt ihm vor mit auszugehen. „Damit du, (…) erfahrest was das Leben sei.“ (Z. 1544). Faust, noch immer in tiefer Depression, lehnt ab und drückt zum wiederholten Male seine Todessehnsüchte aus: „Der Tod erwünscht, das Leben mir verhasst“ (Z.1571). Im weiteren Verlauf des Gesprächs verflucht Faust unter anderen die christlichen Grundprinzipien Glaube, Hoffnung und Liebe. Folglich bewegt er sich außerhalb aller damaligen geltenden Moral- und Wertevorstellungen.
Daraufhin bietet Mephisto Faust, ihm lebenslang zu Diensten zu sein und so alle seine Gelüste zu befriedigen. Als Gegenleistung erwartet er, dass Faust nach seinem Tode Mephisto dient. Es handelt sich folglich um die Art von Teufelspakt, die schon in andern literarischen Werken oft zu Thema gemacht wurde. Diesem Angebot liegt das Menschenbild von Mephisto zu Grunde. Der Mensch sei ein Wurm mit nur niedrigen Gelüsten und Bedürfnissen, die er (Mephisto) ohne weiteres befriedigen könne.
Doch Faust versteht sich als ein nach Höherem (Z. 1676), nach der Verwirklichung des Unmöglichen, strebendes Wesen und Mephisto werde niemals in der Lage sein diese Bedürfnisse richtig zu befriedigen, da Mephisto nicht die wahre Größe des menschlichen Geistes erkenne (Z.1678). Deshalb schlägt Faust Mephisto eine Wette vor: Sollte Faust durch Mephistos Hilfe zu einem zufriedenen gesättigten Menschen werden, hat Faust verloren. „Sollte ich zum Augenblick sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, …“ (Z. 1699 ff).
Diese Wette ist eine Erweiterung von Goethe zum traditionellen Faust Motiv und eindeutig ein Motiv des Sturm und Drangs mit der Grundfrage ob das höhere Streben die niedrigen Dränge und Triebe überwinden kann?
Zusätzlich beendet Faust an dieser Stelle sein akademisches Streben und beginnt mit Mephistos Hilfe ein neues Leben und „springt“ so letztendlich in die Dimension von Gretchen. Ein neuer Handlungsabschnitt wird eröffnet.
