Goethe08/Protokoll2

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Protokoll vom 11.09.2008

Thema: 'Prolog im Himmel'

Das Thema, mit dem wir uns heute auseinandergesetzt haben, umfasste den ‚Prolog im Himmel’ aus dem Werk ‚Faust‘ von Johann Wolfgang Goethe.

1. Überblick über die Szene Um klar zu stellen, um was es in dieser Szene geht, haben wir

(a) den Ort (wo?)
(b) die Personen (wer?)
(c) die Handlung (wovon?) und
(d) die zeitliche Eingliederung (wann?) der Szene besprochen.

Zu (a): Die Szene spielt im göttlichen Himmel. Bildliche Vorstellungen aus unserem Kurs waren: Thron Gottes, Theaterhimmel oder die Kindervorstellung, die Gott mit weißem Bart und als alten Mann darstellt.

Zu (b): Die beteiligten Charaktere sind die drei Erzengel (Vorarbeiter Gottes) Raphael, Gabriel und Michael, der Herr und Mephistopheles.

Zu (c): Die Menschenbilder des Herrn und Mephistos driften weit auseinander, doch jeder der beiden möchte seins als das Richtige erklärt haben. Schlussendlich beschließen die beiden eine Wette, deren Gegenstand Faust ist. Die Wette besteht darin, dass der Herr Mephisto den Versuch erlaubt, Faust zu beeinflussen, um ihn vom rechten Weg abzubringen!

Zu (d): Die Szene spielt sich ab, bevor Mephisto Faust einen Pakt anbietet, in dem er festhält, wenn er der Diener Fausts im Diesseits wird, so soll er, Faust, sein Diener im Jenseits werden. Faust, der das Ganze als Wette sieht, stimmt dem zu.

2. Fragen, die sich zu dieser Szene stellen

- Was ist der Mensch, ist er ein irregeleitetes Wesen oder gar gottesähnlich und findet trotz Irrungen immer wieder den rechten Weg?
- Welche unterschiedlichen Menschenbilder haben Mephisto und der Herr?
- Wie wird sich Faust, der als außergewöhnlicher Mensch gilt und deshalb wohl den nötigen Verstand besitzt, sich der Macht des Teufels zu widersetzen, später verhalten?

3. Aufbau der Szene

Teil 1: Die drei Erzengel halten einen Lobgesang auf die Erde und auf das, was der Herr geschaffen hat. Die Schöpfung besteht aus zwei Sphären: zum einen aus dem Himmel, der die ewige Ruhe verkörpert (Makrokosmos), und zum anderen aus der Erde (Mikrokosmos) und ihren tosenden Elementen und ihrer Aufgewühltheit. Teil 2: Besteht aus dem Streitgespräch von Mephisto und dem Herrn: was der Mensch ist, um was es ihm geht und wie es ihm geht. Im Großen und Ganzen welches der beiden unterschiedlichen Menschenbilder sich schließlich bestätigt.


4. Die zwei Menschenbilder

Herr: Laut dem Herrn ist der Mensch ein strebendes Wesen, das immerzu unruhig zu sein scheint und sich nach etwas Höherem wie auch nach Klarheit sehnt und darauf hinarbeitet. Weiterhin sieht er das Irren als Teil dieses Strebens an, denn jeder Mensch besitzt ein Wissen dessen, was das Gute ist. Seiner Ansicht nach weiß der Mensch das, was er wissen muss (Gärtner Z.310), und so gelangt er auch in dunklen Zeiten immer auf den rechten Weg.

Mephisto: Mephisto sieht den Menschen als ein tierisches Wesen an, welches ohne jegliche Vernunft handelt, stattdessen mit seinem Instinkt. Er ist also ein vom Augenblick getriebenes Tier. Das Streben, welches dem Herrn so wichtig ist, bezeichnet er als nutzlos und lächerlich. Weiterhin sind die Menschen engstirnig und ohne Souveränität. Unter anderem fehlt ihnen das offene Weltverhältnis, die ‚große Sicht‘ (292), stattdessen beschäftigen sie sich mit Kleinigkeiten. Auch deshalb durchleben sie keine Entwicklung und bleiben an ihrer Dummheit und ihren Begierden haften.

Demnach ist es das größte Begehren des Teufels, dass der Mensch Staub fressen soll, genau wie seine Muhme, die Schlange (Z.335).

5. Bezug zum biblischen Hiob

Es bestehen Gemeinsamkeiten: Gott und der Teufel gehen eine Wette ein, die Faust bzw Hiob zum Gegenstand hat. Ziel soll sein, den Menschen zu prüfen. Gewichtiger sind allerdings die Unterschiede: Hiob ist ein biblisch im Glauben Verankerter. Faust ein moderner Zweifelnder, für den Gott keine zentrale Rolle spielt. Hiobs Prüfung beweist also nur, dass der Teufel über einen Glaubenden keine Macht hat. Mephistos Macht über den nicht Glaubenden dagegen wird zu beweisen sein.

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