Gespräch in Walter Fürsts Drecksbude
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Erster Aufzug, vierte Szene
Walter Fürsts Drecksbude
Walter Fürst und Arnold vom Melchtal treten, von verschiedenen Seiten, ein.
Melchtal: Walter-
Walter Fürst: Beweg deinen Hintern kein Stück zur Seite. Überall sind Stalker! Wo hast du deine Bodyguards gelassen!?
Mechtal: Haste nix Neues von meinem Alten aus Unterwalden? Ey, ich hab keinen Bock mehr, in dieser Drecksbude zu bleiben. Ich hab doch gar nix gemacht. Hab doch nur dem Typen die Finger gebrochen, weil er mir mein Vieh wegnehmen wollte.
Walter Fürst: Du bist zu schnell! Dein Möchtegern-Herrscher hat den Typen geschickt! Ist egal, ob du was gemacht hast oder nicht, du musst trotzdem hier bleiben.
Melchtal: Der mit seiner Bauernregel! „Wenn der Bauer Brot haben will, muss er selbst am Pflug zerren“ Ich bin doch kein Ochse! Es hat mir in der Seele wehgetan, als der Typ mit meinen Ochsen weggegangen ist. Da MUSSTE ich ihn einfach schlagen!
Walter Fürst: Die Jugend von heute!
Melchtal: Mir tut nur mein Alter leid, der braucht doch jemanden, der alles für ihn macht. Und dem Möchtegern-Herrscher geht er auf die Nerven weil er für die Schwarzen, äh, die Unterdrückten gekämpft hat. Jetzt ist er ganz allein, ich muss ihm helfen. Er kann das doch nicht alleine!
Walter Fürst: Chill mal, bis wir neue Infos kriegen. Hörst du auch den Specht?
Melchtal: Du hast doch einen Vogel! Da is’ wer, der klopft an die Tür!
Walter Fürst: Versteck dich mal besser, vielleicht hat der Specht ’s auf dich abgesehen.
(Öffnet die Tür, Werner Stauffacher tritt, seine Wampe voran, ins Zimmer ein.)
Walter Fürst: Wem gehört denn die Wampe da!? Ach, du bist’s, Werner! Was gibt’s?
Stauffacher: Die Freiheit der Schwarzen, äh, der Unterdrückten.
Walter Fürst: Jetzt fängst du auch noch an! Hast du deine Olle einfach allein gelassen? Haste was Neues?
Stauffacher (pflanzt sich mit seiner Wampe auf einen Stuhl): Ich hab was gesehen, und es ist überhaupt nicht schön.
Walter Fürst: Deine Frau?
Stauffacher: Du rüttelst ganz stark am Ohrfeigenbaum, mein Freund! Sie wollen uns jetzt noch mehr unterdrücken, mit dieser komischen Burg und der uncoolen Kappe.
Walter Fürst: Die wollen uns doch lebendig begraben!
Stauffacher: Ich komm nicht einfach so. Es gibt noch was anderes. Es schlägt mir ganz schön auf den Magen mit der Unterdrückung hier. Haste mitgekriegt, dass die Olle vom Baumgarten fast vergewaltigt wurde? Dann kam’s Baumhaus und hat dem Wolfenschießen freundschaftlich mit der Axt auf den Kopf gehauen.
Walter Fürst: Was?
Stauffacher: Halt mal, ich bin noch nicht fertig.
Walter Fürst: Was gibt’s denn noch?
Stauffacher: Unterbrich mich doch nicht dauernd. Du bist wie ein kleines Kind.
Walter Fürst: Und du hast ’ne große Wampe.
Stauffacher: Ich sag nur Ohrfeigenbaum! Also, weiter im Text. Der Obama ausm Melchtal, also Heinreich von der Halde...
Walter Fürst: Was für ’ne Bushalte? Achso, der Heinrich. Klar kenn ich den.
Stauffacher: Gut. Es ist doch noch nicht alles an dir verloren. Kennste den Sohn vom Heinrich?
Walter Fürst: Klar, der’s bekannt wie ’n bunter Hund.
Stauffacher: Also, wegen dem wurde der Heinrich gefoltert.
Walter Fürst: Und, hat er’s Foltern gut überstanden? Sag mal, warum wurde der Alte überhaupt gefoltert?
Stauffacher: Wie fühlst du dich, nachdem man dir die Augen ausgestochen hat? Nicht so toll, oder? Der Möchtegern-Herrscher hat halt gemeint, wenn er des jüngere Exemplar nicht kriegt, nimmt er halt das mit den Falten.
Melchtal: Wie jetzt, hat der keine Augen mehr?
Stauffacher: Wer ist der vorwitzige Kleine?
Melchtal: Sag mal.
Stauffacher: Bist du der Sohn vom Maulwurf?
Melchtal: Ja! Und ich kann nicht bei ihm sein. Wo ist die Rasierklinge?!
Walter Fürst: Sei nicht so ne Pussy!
Melchtal: Ich armes Würstchen. (Heult in seinen Ärmel, spricht dann mit Tränen erstickter Stimme weiter) Mann, jeder kann sehen, nur mein Alter nicht. Er hatte nicht mal einen Anwalt! Das Leben ist so unfair.
Stauffacher: Jetzt kommt’s noch härter: Sie haben ihm alles weggenommen, sogar sein letztes Hemd.
Melchtal: Er hat nicht mal mehr einen Rollator oder einen Blindenhund. Nur einen ollen Stock. Ich sollte ihm helfen, aber ich hab Angst. Keiner sollte mich aufhalten können und ich sollte zum Möchtegern-Herrscher gehen und die Augen zurück verlangen. Aber ich trau mich einfach nicht.
Walter Fürst: Was würdest denn du gegen ihn machen wollen? Zurecht traust du dich nicht.
Melchtal: Alle sollten gegen ihn kämpfen und für meinen Alten. Aber ich will zu meiner Mama.
Stauffacher: Wenn wir alle zusammen halten, können wir es vielleicht schaffen. Vorausgesetzt, deine Mama kämpft mit.
Walter Fürst: Ihr seid doch alles nur Schwätzer, zu feige um irgendetwas zu machen. Hallo, er braucht seine MAMA um zu kämpfen!
Melchtal: Ich will gewalttätig sein. Wär’ ich nur nicht so feige gewesen, mich zu verstecken.
Stauffacher: Mach was du willst, ich komm’ mit.
Walter Fürst: Gruppenzwang.
Stauffacher: Wir müssen das auf eigene Faust machen, die Bonzen scheren sich doch sowieso einen Dreck um uns.
Melchtal: Wir müssen Leute überall hinschicken und Verbündete suchen. Aber ich mach’s nicht, ich trau mich nicht. Ich bleib bei meinem Teddy.
Walter Fürst: Raff dich mal. Du kommst mit.
Melchtal: Dann geh ich halt nach Unterwalden, Hauptsache ich geh nicht alleine.
Walter Fürst: Gott kommt mit.
Melchtal: Er erleuchtet mir den Weg. Ich gehe nach Unterwalden.
Walter Fürst: Wenn du ne Wegbeschreibung willst, frag Gott.
Melchtal: Danke, du hast mir die Angst genommen.
Walter Fürst und Melchtal: Aufs Verrecken oder Weiteratmen.
Melchtal: Papa, ich komme.
Walter Fürst und Stauffacher: Der Friede sei mit dir.
(Verlassen die Drecksbude.)
Kleener 09:13, 10. Mai 2010 (CEST), C'est_la_vie & Je_ne_sais_pas - zurück zum Projekt Willihell Telm
