Fontane07/Werk im Kontext/7

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Das Motiv der Liebe spielt sowohl in dem bürgerlichen Trauerspiel "Kabale und Liebe" von Schiller als auch in Fontanes Roman „Effi Briest" eine wichtige Rolle.

Das Stück Schillers ist eine Tragödie der unbedingten, grenzenüberschreitenden Liebe. Aufgrund der damals existierenden Standesschranken ist die Liebe zwischen der zum Bürgertum gehörenden Luise und dem adligen Ferdinand in Gefahr. Sie wird von keiner Seite her akzeptiert und steht im Kontrast zur Konventionsehe. Schon hier lassen sich erste Unterschiede erkennen.

Die Thematik des Gesellschaftsromans Effi Briest ist ebenfalls der Konflikt zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Konventionen, aber auch den individuellen Freiheitsvorstellungen eines Einzelnen. Allerdings besteht zwischen den Hauptcharakteren Innstetten und Effi keine aufrichtige Liebesbeziehung. Effi muss sich den Entscheidungen ihrer Eltern bereitwillig fügen und so heiratet sie den um einige Jahre älteren Baron von Innstetten. Hier wird die Rollenproblematik, mit der Effi zu kämpfen hat, deutlich. Sie muss sich in die Rolle zwängen, die eigentlich nicht zu ihr passt. Nach außen hin scheint ihre Welt perfekt zu sein, andere Frauen beneiden sie darum. Sie besitzt ein Haus, hat bereits ein Kind geboren und ihr Ehemann hat als Landrat ein wichtiges Amt. Doch in ihrem Inneren sieht es ganz anders aus: Sie fühlt sich alleingelassen und einsam, ist nicht in die gehobene Gesellschaft Kessins integriert und wird wenig unterhalten. Ihr Leben in Kessin widerspricht ihrer Natur. Sie ist selbst fast noch ein Kind und in ihr brennt noch die Sehnsucht nach Weite und Abenteuer, sie ist die "Tochter der Luft". Durch die Entfernung zu ihrer Heimat fühlt sie sich noch fremder in ihrer neuen Umgebung.

Der bürgerliche Realismus stellt die bürgerliche Wirklichkeit dar, in der sich die Leserschaft wieder erkennen kann.

Im Gegensatz zu Baron von Innstetten ist Ferdinand ein junger Held der eine hohe Vorstellung von Liebe hat. Er hält nichts von den Kabalen am Hofe und will kein Zweckbündnis mit der von seinem Vater auserwählten Lady Milford eingehen. Zwar bringt sie ihm aufrichtige Liebe entgegen, doch sein Herz schlägt nur für Luise. Die zentralen Begriffe sind hier Pflicht und Liebe, wobei Luise die Pflicht der Liebe vorzieht und ihre Chancen für ihre Beziehung realistisch sieht. Sie weiß, dass ihre paradiesischen Vorstellungen nie Wirklichkeit werden können. Deshalb reagiert sie auf den Vorschlag Ferdinands, einfach zu fliehen, eher zurückhaltend, da ihr ihre Pflicht bei ihrem Vater zu bleiben vollkommen bewusst ist. Sie weiß, dass solch ein Bündnis die Fugen der Bürgerwelt auseinander treiben würde. Ferdinand hingegen ist aufbrausend und emotional und sofort Feuer und Flamme, wenn es um den Fluchtplan geht. Die von Unschuld und Herz geprägte Luise wird durch die Intrige und angebliche Affaire unschuldig zur Schuldigen, obwohl es für sie nie in Frage käme, Ferdinand wirklich zu betrügen. Da sie weiß, dass es im jetzigen Dasein keine Chancen für ihre Liebe mehr gibt, resigniert sie und hofft auf eine Aufhebung der Schranken im Jenseits, wo es keine Stände und Unterschiede mehr geben wird. So will sie Ferdinand gewaltsam von sich stoßen und willigt schließlich ein, einen vermeintlichen Liebesbrief an den Hofmarschall von Kalb zu schreiben. Damit ist ihr Schicksal besiegelt.

Im Gegensatz dazu geht Effi Briest wirklich eine Affaire mit Major Crampas, einem früheren Freund von Baron von Innstetten, ein. Die Briefe, die Effi and Crampas schreibt und später von Innsteten entdeckt werden, sind echt. Bei ihm kann sich Effi holen, was sie an ihrem Ehemann wahrscheinlich so vermisst: Zuneigung, Aufmerksamkeit und körperliche Nähe. Außerdem entspricht er eher ihrem Wesen. Er ist auch aufgeschlossen und bringt sie zum Lachen. Allerdings besteht zwischen den beiden kein tiefes Liebesverhältnis. Baron Innstetten könnte vom Alter sogar Effis Vater sein. Er spielt eine Art Erzieher, um wildes Gemüt zu bändigen und zu disziplinieren, was ihm aber während ihrer Ehe nie richtig gelingt. Das oft wiederholte „Effi komm!“ lässt ihn daran denken, dass er sie nie richtig halten kann.

Eigentlich war Effi damals noch nicht richtig bereit zu heiraten, der Zeitpunkt war zu früh und die Beiden leben in zwei verschiedenen Welten was durch ihr unterschiedliches Zeitgefühl ausgedrückt wird. So ist die Ehe schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

In diesem Werk ist die Frau diejenige, die den Anstoß zur Flucht gibt, doch bleibt Crampas zurückhaltend und weist auf seine Pflicht, bei seiner Frau bleiben zu müssen, hin. Als Innstetten die Briefe entdeckt, bleibt er nach außen hin ruhig, obwohl er innerlich hin- und hergerissen ist. Er weiß, er liebt seine Frau noch immer, und doch kann er ihr nicht vergeben und verstößt sie rigoros. Das Duell mit Major Crampas ist seiner Meinung nach unvermeidlich und die einzige Möglichkeit, seine beschmutzte Ehre wiederherzustellen. Effi verliert durch den Ehebruch zunächst die Beziehung zu ihrer Familie, die sie zuerst nicht aufnehmen will und sie ebenfalls verstößt. Später allerdings wird sie wieder in ihre sie liebende Familie aufgenommen, wo sie ihren inneren Frieden wieder findet.

Ganz anders reagiert Ferdinand auf den Brief. Er ist wütend und außer sich weil er seine Luise so innig liebt. Da er Luise zu gut kennt, um ihr die Affäre zu glauben, will er es einfach nicht wahrhaben. Auch hier gibt es eine Art Duell, allerdings auf der verbalen Ebene. Es findet zwischen Luise und ihrer Nebenbuhlerin Lady Milford statt. Beide Frauen lieben Ferdinand von ganzem Herzen, doch am Ende verzichtet Luise freiwillig auf ihn, obwohl sie sich im Verlauf des Gesprächs immer mehr zur Überlegeren entwickelt. Die Lady merkt, dass sie keine Chance auf Ferdinand hat, da das Band der Liebe zwischen ihm und Luise viel zu stark ist.

Die Werke behandeln die damaligen Gesellschaftserwartungen, oder auch das „Gesellschafts-Etwas“, aus jeweils einer anderen Perspektive. Effi Briest führt die Ehe, die von Ferdinand erwartet wird, welche er sich allerdings weigert zu führen. Beide sind in ihrer Situation aber unglücklich, da sie nie das bekommen können, was sie begehren.