Fontane07/Werk im Kontext/5

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Die Macht der Konventionen spielt in beiden Werken eine entscheidende Rolle. Erklären Sie den Begriff, seine konkreten Erscheinungsformen in den beiden Werken und seine Auswirkungen.

In den beiden vorliegenden Werken, „Effi Briest“ von Theodor Fontane, sowie „Kabale und Liebe“ von Friedrich von Schiller, entsteht durch die scheinbar unüberwindbare Schranke der Konvention, die für die Handlung entscheidende tragische Konfliktsituation. Der Begriff der Konvention leitet sich ursprünglich aus dem lateinischen ab und bedeutet wörtlich übersetzt Übereinkunft bzw. Zusammenkunft.

In den beiden Werken ist die Konvention gleichzusetzen mit einer sozialen, im Näheren gesellschaftlichen Norm, welche meist unumgehbare Verhaltensweisen, im Bezug auf die Rechte und Möglichkeiten eines zu einer gesellschaftlichen Schicht zugehörigen Individuums, definiert.

In Theodors Fontanes „Effi Briest“ spielt sich die Handlung fast ausschließlich in den gehobenen gesellschaftlichen Kreisen ab. Die Liebe zwischen Effi und Innstetten entspricht voll und ganz der Konventionsvorgabe. Schon zu Beginn des Romans wird dem Leser durch die Person Niemeyer der Baron Innstetten als ein „Mann von Charakter, ein Mann von Prinzipien“(S. 25/Z.35/36) und Grundsätzen (S.28/Z.39) vorgestellt. Nach dem Auffliegen der Affäre zwischen Effi und Major Crampas sieht Innstetten keinen anderen Ausweg, als die zu dieser Zeit zwar schon außer Mode gekommene, jedoch den damaligen Normvorgaben gemäß des aristokratischen Ehrenkodexes geforderten Beseitigung des Konfliktes mit Hilfe eines Duells. Man erkennt die vollständige Ohnmacht des Individuums, welches, in Person von Innstetten, krampfhaft versucht die Regeln des anerkannten Normengefüges beizubehalten, selbst wenn es sich die Sinnlosigkeit eines Duells, zumindest teilweise, eingestehen muss. Auch Crampas sieht in diesem Duell nur eine sinnlose „Prinzipienreiterei“(S.205/Z.36) Innstettens. Im Gegensatz dazu resultieren die Schuldgefühle der bodenständig gebliebenen Effi weniger aus Gründen der Spannung zwischen Liebe und Konvention, sondern viel mehr an den Folgen der Beziehung im Bezug auf die Lüge, in Zusammenhang mit ihrer Affäre mit Major Crampas, sowie dem daraus folgenden Zwang der Verstellung. Sie sieht sich als eine Frau ohne Grundsätze; „ich habe keine“ (S.28/Z.40).

In Effi Briest ist damit eine Differenz zwischen den beiden Charakteren, im Verhalten gegenüber der Konvention im Verlaufe des Dramas, entstanden. Innstetten folgt dabei nicht seinen Gefühlen bzw. Verstand, wohingegen diese Werte des eigenen Gefühls und Empfindens bei „Effi Briest“ im Fortlauf der Ereignisse immer stärker werden und letztendlich auch gegen die Macht der Konvention die Überhand gewinnen, wenn auch mit unvorhersehbaren Folgen für Effi.

In Friedrich von Schillers „Kabale und Liebe“ lässt sich ebenfalls die Konventionsschranke als Hauptspannungsfeld des Dramas definieren. Als Ferdinand Lady Milford seine Gefühle offenbart, ist er sich an den gesellschaftlichen Normen bewusst. Lady Milford werde ihn an seinen Stand und die Grundsätze seines Vaters erinnern, aber er glaubt an die Macht seiner Liebe zu Luise.

Im Gegensatz zu „Effi Briest“ ist hier bereit zu Beginn die Liebe zwischen der bürgerlichen Luise und des Adeligen Ferdinands den gesellschaftlichen Vorgaben ein Dorn im Auge. Auch hier lassen sich die beiden Charaktere, im Bezug auf den Umgang mit der Konvention, differenzieren. In dem Gespräch zwischen dem Musicus Miller und dem Präsidenten fügt sich der Vater Luises trotz unterschiedlicher Auffassung der Situation in seine ergebene Position: „Halten zu Gnaden“ (S.37). Während Ferdinand, gegen den Willen seines Vaters, eine Möglichkeit der Liebe und Auslebung seines Empfindens sieht, befindet sich Luise im Spannungsfeld zwischen Ferdinands Liebesreligion und ihr heimischen kleinbürgerlichen Sozialisation. Ihre Schuldgefühle resultieren dabei aus den ihr, bedingt durch ihr Elternhaus, enorm wichtigen, religiös fundierten moralischen Normen. Diese Utopie der standesübergreifenden Liebe führt zu einer inneren Zerrissenheit Luises, welche sie letztendlich durch den „Liebestod“, bedingt durch ihre realistische Selbsteinschätzung und Akzeptanz der Verhältnisse im Gegensatz zu Ferdinands mangelndem Realitätssinn, ins verderben stürzt.

Es ist zu erkennen, dass die Macht der Konvention sowohl in „Effi Briest“, als auch in „Kabale und Liebe“ eine entscheidende Rolle spielt. Sie ist gekennzeichnet durch das Übertreten bzw. Brechen der Konventionsschranke durch einen der Protagonisten. Gründe hierzu sind in beiden Werken das Eingestehen von individuellem Empfinden und eigenen Gefühlen im Gegensatz zur sturen Befolgung der strikten gesellschaftlichen Separation der Stände bzw. Gesellschaftsgruppen. Das Übertreten der Konventionsschranke vollzieht sich dabei jeweils unterschiedlich. Resultierend ist dabei jedoch bei beiden Werken das durch die Macht der Konvention unumgängliche Scheitern der Liebe bzw. Beziehung, einhergehend mit dem Tod eines der beiden Protagonisten.

--Dada 07:57, 1. Mär 2007 (CET)

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