Fontane07/Werk im Kontext/1

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Ferdinand aus „Kabale und Liebe“ und Innstetten, der Ehemann Effis aus „Effi Briest“ sind an sich zwei verschiedene Charaktere, die auch in verschiedenen Epochen leben sollen. Bei beiden gibt es aber eine große Gemeinsamkeit: die Untreue (wenn man auch nur in einem Fall von Untreue reden kann) ihrer Frauen. Im Folgenden möchte ich auf die Reaktionen der beiden Männer auf die Untreue eingehen und sie miteinander vergleichen.

Ferdinand fällt ,auf Grund der Intrige Wurms und des Präsidenten, ein unter Druck geschriebener Brief von Luise in die Hände, in dem sie vorgibt, eine Affäre mit dem Hofmarschall zu haben. Wegen seiner aufbrausenden Art und seines absoluten Besitzanspruchs auf Luise ist Ferdinands Reaktion über Luises vermeintliche Untreue total überstürzt. Getrieben von seiner extremen Eifersucht kann Ferdinand keine rationale, vernunftorientierte Konfliktlösung finden, sondern kommt auf die selbstzerstörerische Idee, sich und Luise umzubringen. Zwischen Luise und ihm herrscht eine gestörte Kommunikation. Sie kann ihm wegen des Eids, den sie vor Wurm geschworen hat, nicht sagen, dass sie ihn gar nicht betrogen hat und er ist schon so besessen von dem Gedanken nach dem Tod mit Luise in Liebe vereint zu sein, dass er überhaupt nicht versucht herauszufinden, ob Luise ihn wirklich betrogen hat, anstatt ihr einfach zu vertrauen. Als Luise und er bei ihr zu Hause alleine sind, setzt er seinen Plan in die Wirklichkeit um und vergiftet sich und Luise. Erst kurz vor ihrem Tod gesteht Luise Ferdinand die wahren Gründe für den Brief an den Hofmarschall. Hieran sieht man, dass wenn beide von Anfang an ehrlich über die „Untreue“ geredet hätten, Ferdinand seinen Plan noch einmal überdacht hätte und somit nicht Schuld an dem „Mord“ an Luise und sich selbst wäre.

Die Reaktion Innstettens auf Effis Treuebruch ähnelt stark der Reaktion Ferdinands. Effi aus dem Gesellschaftsroman „Effi Briest“ von Theodor Fontane kommt aus einer bürgerlichen Familie zur Zeit des Bürgerlichen Realismus. Mit 18 wird sie mit Baron Geert von Innstetten verheiratet, der 20 Jahre älter ist und dem Beamtenadel angehört. Das Ganze ist keine Heirat aus Liebe, sondern nur eine Konventionsehe und deswegen fühlt sich Effi in ihrer Ehe auch nicht ganz wohl. Instetten ist kein Mann der Zärtlichkeiten und netten Worte und als Effi in ihrem neuen zu Hause, Kessin, Major Crampas, einen alten Kumpanen von Innstetten, der Effi sehr zugetan ist und ihr viele Komplimente und Aufmerksamkeit schenkt, kennenlernt, geht sie mit ihm eine Affäre ein. Auf Grund einer Beförderung von Innstetten müssen Effi, er, ihre Tochter und die beiden Hausmädchen nach Berlin umziehen. Fast sieben Jahre vergehen bis die Affäre Effis auffliegt. Effi ist gerade zur Kur als ihre Tochter einen Unfall hat und die Hausmädchen, auf der Suche nach Verbandmaterial, Effis Nähtisch aufbrechen. Dabei werden auch einige Briefe ans Tageslicht gebracht, deren Bedeutung erst klar wird, als Innstetten diese Briefe findet: es sind Briefe von Major Crampas an Effi, aus denen hervorgeht, dass Effi Innstetten betrogen hat. Genau wie Ferdinand findet er keine rationale, vernunftorientierte Lösung zu seinem Problem. Anstatt zu warten bis Effi von ihrer Kur wiederkommt und mit ihr über alles zu reden, bricht er die Kommunikation mit ihr ab. Die darauffolgende Reaktion unterscheidet sich zwar von der Ferdinands, hat jedoch letztendlich die gleichen Folgen. Innstetten ist kein eifersüchtiger Mensch, fühlt sich aber aufgrund des „tyrannisierenden Gesellschaftsetwas“ und dem aristokratischen Ehrenkodex gezwungen, das Ganze nicht auf sich beruhen zu lassen, obwohl es eigentlich längst verjährt ist, sondern ein Duell mit Major Crampas einzugehen, bei dem dieser stirbt. Nach der Scheidung von Effi lebt Innstetten alleine mit seiner Tochter und fühlt sich oft einsam. Doch insbesondere für Effi hat diese gescheiterte Ehe schwerwiegende Folgen. Zuerst lebt sie ausgestoßen von Innstetten und ihren Eltern in fast vollständiger Isolation von anderen, darf aber später wieder zu ihren Eltern zurückkehren. Sie erholt sich seelisch nicht mehr von den Strapazen in ihrem Leben und stirbt im Alter von 27.

Alles in allem haben die Reaktionen der beiden Männer auf die (vermeintliche) Untreue ihrer Freundin/Frau viele Gemeinsamkeiten. Das größte Problem der beiden Paare ist aber die gestörte Kommunikation untereinander. Ferdinand und Innstetten sprechen das Thema Untreue im Gespräch mit ihren Frauen nicht an und somit ist klar, dass sich Probleme bilden müssen. Obwohl Ferdinand und Innstetten vom Charakter her unterschiedlich sind, sind ihre Handlungen überstürzt und unüberlegt. Jedoch hätte Ferdinands selbstmörderischer Plan abgewandt werden können, wäre die Kommunikation besser gewesen, da seine Reaktion nur an seinem Charakter liegt. Innstettens Reaktion hat nichts mit einer Charakterschwäche zu tun. Er und Effi waren die Opfer alter Konventionen und somit gab es (für Innstetten) keinen anderen Ausweg als das Leben Crampas und ihr eigenes Eheleben zu zerstören. Hätte Ferdinand weniger und Innstetten mehr nach seinen Gefühlen gehandelt und hätten die beiden zuerst überlegt, was ihre Reaktionen für Folgen haben könnten, dann hätte alles ein besseres Ende gehabt.


                                        Assi