Fontane07/Protokoll6
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Protokoll der Deutsch-Stunde vom 13.02.2006
Thema: Abschluss der Szenenanalyse von Kapitel 27 (Gespräch Innstettens mit Wüllersdorf)
Verlauf/Ergebnisse: (siehe auch Protokoll vom 8.2.06)
- Darbietungsweise, Sprachanteile, Sprachgestus
Im 27. Kapitel ist fast nur direkte Rede zu finden. Der Erzähler greift nur sehr geringfügig in den Verlauf der Handlung ein. Innstetten spricht in deduzierenden, schwierigen und langen Sätzen. Er hat einen deutlich größeren Redeanteil als Wüllersdorf. Dieser wirkt durch die abgehakten Sätze seinerseits verunsichert oder eingeschüchtert. Wüllersdorf benutzt viele Floskeln in seiner Sprache, was sie gehoben wirken lässt.
- Bringt die Szene eine Entwicklung mit sich, oder ist sie kreisend?
Die Szene kann sowohl als kreisend als auch als sich entwickelnd aufgefasst werden. Am Anfang ist keine Entwicklung der beiden Figuren zu entdecken. Instetten versucht, seine Entscheidung, das Duell auszutragen, zu begründen, auch um sein Gewissen zu beruhigen. Somit gibt es bei ihm zunächst keine Entwicklung. Jedoch ist zu diesem Zeitpunkt die Frage ob "es" sein muss noch ungeklärt, und gerade das Gespräch mit Wüllersdorf drängt Innstetten in eine Sackgasse, die nur noch das Duell zulässt. Somit ist hier eine Entwicklung Instettens zu erkennen.
Wüllersdorf hingegen, der von der Idee eines Duelles nicht besonders überzeugt ist, wird durch das Gespräch auf Innstettens Seite gezogen. Er wendet von seiner ursprünglichen Meinung, als Gegner des Duells, ab und gibt Instetten sogar Recht. Er ist gewillt, ihm bei dem Duell zu helfen, somit ist auch hier eine klare Entwicklung des Charakters zu erkennen.
- Gliederung der Szene
Die Szene lässt sich in 3 Teile gliedern. Nach jedem Einwurf Wüllersdorfs beginnt ein neuer Abschnitt, in dem Innstetten versucht, sein Duell zu rechtfertigen:
1. Rechtfertigung: Innstetten spricht zunächst von der Gesellschaft, die "sie" zwingt nach dem "Willen des tyrannisierenden Gesellschaftsetwas" zu handeln. Innstetten akzeptiert dadurch seine Zugehörigkeit zu der konservativen Gesellschaft. Er übernimmt nicht die Verantwortung für das Duell, sondern macht die Gesellschaft dafür verantwortlich. Er redet nicht von sich selbst, sondern nur von "man".
2. Rechtfertigung: Nun wird Innstetten die Mitwisserschaft Wüllersdorfs bewusst, demnach diese oben genannte Gesellschaft nun von der befleckten Ehre Innstettens weiß. Nun zeigt er Verantwortung und wechselt vom "man" zum "ich". Die Mitwisserschaft Wüllersdorfs treibt ihn in eine Sackgasse, die nur das Duell als Lösung hat.
3. Rechtfertigung: Wüllersdorf versichert, dass sämtliche Geheimnisse in ihm ruhen wie in einem Grabe, jedoch glaubt Innstetten, dass es keine Verschwiegenheit gibt, und selbst wenn Wüllersdorf schweigen sollte, wäre Innstetten immer unter Wüllersdorfs Kontrolle und nur noch ein Gegenstand Wüllersdorfs. Somit macht Innstetten nun Wüllersdorf mitschuldig am Duell.
Innstetten, der auf Seite 27-28 (Kapitel 4) als ein "Mann von Grundsätzen und Prinzipien" benannt wird, kann diese nicht mehr einhalten! Er ist nicht mehr im Lot seiner Grundsätze.
- Abstraktion
Die Lebenssituation der beiden Figuren, Innstetten und Wüllersdorf, ist absolut widersprüchlich, gar schizophren. Sie beide sehen das Duell als Unsinn an, jedoch ist es ein Ehrenkult der Konventionen, denen beide unterliegen. Diese Regeln sind zwar vom Gesetzgeber verboten worden, jedoch sind gerade diese Gesetzgeber Anhänger des Konservativen!
- Was folgt daraus?
Innstetten verfällt nach dem Duell in Selbstzweifel und sieht im nachhinein das Duell als unnotwendig an. Der vorher als selbstsicher beschriebene Prinzipienmensch verliert seine Identität und stellt die Frage nach Schuld und Verjährung.
Insgesamt sind 2 wichtige Veränderungen zu erkennen: Aus der Frage "Muss ES (das Duell) sein?" ist die Erkenntnis "ES muss sein!" geworden. Und Innstetten, der Mann von Prinzipien, wird zum identitätslosen Menschen.
Protokollant: Felix H.
