Fontane07/Protokoll5
Aus HöGyWiki
Protokoll der Deutsch-Stunde vom 8.2.2006
Thema: Instetten, Wüllersdorf und das große MUSS
Verlauf/Ergebnisse:
Was ging voraus?
- Effi ist auf Anraten von Rummschüttel mit der Geheimrätin Zwicker in Bad Ems zur Kur, da sie kein zweites Kind bekommen kann. Währenddessen, in Berlin, verletzt sich Annie beim Spielen und zieht sich eine blutende Wunde zu. Die Dienstmädchen des Hauses, Roswitha und Johanna, suchen nach Verbandsmaterial und brechen deswegen Effis Nähtisch auf. Hierbei durchwühlen sie diesen und somit werden die Briefe ans Tageslicht gebracht, die jedoch noch keine Bedeutung haben. Erst als Instetten die Briefe findet, wird deren wahre Bedeutung bekannt. Es sind Liebesbriefe von Major Crampas an Effi, bei deren lesen Instetten klar wird, dass Effi eine Affäre hatte.
Daraufhin bittet Instetten seinen Freund Geheimrat Wüllersdorf zu sich zu kommen, der kurze Zeit später auch erscheint.
Wo befinden wir uns?
- In Instettens Wohnung in Berlin, in seinem Arbeitszimmer
Wer ist anwesend?
- Instetten und Geheimrat Wüllersdorf
Was passiert?
- Nach Wüllersdorfs Ankunft bittet Instetten diesen, ohne weitere Erklärungen, sein Sekundant in einem Duell zu sein und dem Gegner eine Forderung zu überbringen. Instetten will zuerst nicht genau sagen, um was es sich eigentlich handelt, da er die Affäre seiner Frau als ein sprachliches Tabu ansieht und diese nur als „Sache“ (Z.29) bezeichnet. Noch bevor Wüllersdorf genau von der Affäre weiß, hegt er Zweifel über den Sinn des Duells und stellt Instetten die naive Vorfrage: „muss es sein?“ (Z.33f). Daraufhin erzählt Instetten alles über die Briefe und Effis Verhältnis zu Crampas. Das Ganze liegt schon über 7 Jahre zurück, doch trotzdem ist die Affäre für Instetten nicht verjährt. Wüllersdorf weiß auch keinen Reim darauf, ob man alles auf sich beruhen lassen oder doch klären sollte. Jedoch meint er, dass das Duell Instettens Leid nur vergrößern würde. Würde sich Instetten aber für ein Duell entscheiden, würde Wüllersdorf ihm auf jeden Fall helfen. Alles hängt also nur von Instettens Entscheidung ab. Dieser ist sich anfangs leicht unschlüssig. Einerseits liebt er Effi immer noch und wäre bereit ihr alles zu verzeihen, da er auch kein Gefühl von Hass oder Rache verspürt. Hier zeigt sich, dass der sonst so prinzipientreue Gesellschaftstyp Instetten Zweifel an eben diesen Prinzipien hat. Andererseits jedoch ist er, seiner Meinung nach, durch das „tyrannisierende Gesellschafts-Etwas“ (Z.34f) dazu gezwungen, etwas zu unternehmen. Dieses fragt nämlich nicht nach Verjährung oder Gefühlen, sondern fordert, dass sich das Individuum seinen Richtlinien beugt. Man sei schließlich Teil eines Ganzen und nicht bloß ein einzelner Mensch. Außerdem habe er durch Wüllersdorf jetzt einen Mitwisser, und somit sieht er kein zurück mehr, da er sich jedesmal schlecht fühlen würde, würde er sich in Wüllersdorf Gegenwart mit Effi unterhalten. Sogar wenn er und Wüllersdorf schweigen würden, hätte er bei jedem Gespräch mit Effi das Gefühl, dass sie ihn innerlich über sein angebliches Unwissen belächeln würde. Daraufhin gibt Wüllersdorf Instetten recht und somit beschließen sie, sich in Kessin beim Duell wiederzusehen.
Sprachliche und andere Besonderheiten
- Bis auf den Anfang beinhaltet das 27. Kapitel fast ausschließlich einen unmittelbaren Dialog zwischen Instetten und Wüllersdorf. Es besteht ein ausführlicher Kontrast zwischen den beiden, der sich auch in der Länge des Gesagten wiederspiegelt. Während Wüllersdorf sich eher zurückhält und Instettens Erklärungen über den Sinn des Duell zuhört, dominiert Instetten das Gespräch eindeutig. Das ganze Gespräch ist in sich kreisend und über allem schwebt die Frage nach dem großen Muss. Muss dieses Duell wirklich sein? Diese Frage findet sich im Dialog immer wieder.
Außerdem spiegelt sich im Dialog Instettens Charakter deutlich wieder.
- Anders als in anderen Kapiteln, wird Instetten hier nicht nur als Erfolgs- und Prinzipienmensch, sondern auch als sensibler, gefühlvoller Mensch dargestellt, was den Dialog sehr authentisch wirken lässt. Das erste Mal redet Instetten über seine Gefühle zu Effi und vertraut Wüllersdorf alles über seine Meinung zum Duell an, was auch damit zu tun hat, dass Wüllersdorf für ihn eine Vertrauensperson und ein guter Freund ist.
- Das Motiv dieses Kapitels ist es, den Druck welchen die Gesellschaft auf ein Individuum ausübt, darzustellen. In jeder Gesellschaft gibt es Werte, Normen und Verhaltenskodices nach denen man sein Leben richten muss, um in einer Gesellschaft in Einklang leben zu können. Instetten steht im Konflikt zwischen diesen Werten und seinen eigenen, muss sich jedoch am Ende den Konventionen seiner Zeit beugen, da er mit jeder anderen Entscheidung sich selbst und seine Vorstellung der Gesellschaft verraten hätte.
Protokollant/in: Astrid Fielk
