Fontane07/Protokoll4
Aus HöGyWiki
Protokoll des Deutsch-Unterrichts vom 06.02.2007
Thema:
Textanalyse zu Kapitel 24 (Schluss),
mit Schwerpunkt auf erzählerische Darbietungsformen und Symbolik
(im Buch: S. 183, Z. 36 bis S. 183, Z. 34, die Zeilenangaben richten sich jedoch nach dem grünen AB)
Verlauf/Ergebnis:
Der Textausschnitt lässt sich wie folgt untergliedern:
Der erste Sinnabschnitt geht bis Zeile 10 und besteht aus einem zwar neutralen, aber sehr präzisen Erzählbericht (es wird sogar ein Datum genannt).
Effi befindet sich gedanklich bereits nicht mehr ganz im Jetzt und Hier, im Obergeschoss des Hohen-Cremmener Anwesens, sondern hat sie den Kopf schon völlig auf Berlin eingestellt.
Es wird außerdem Effis Zimmer beschrieben, in dem sich auch ein Fenster zum Garten hinaus (zum „Paradies“), in dem Effi ihre Kindheit verbrachte, befindet. Durch dieses Fenster kommt ein Zugwind, der sie wieder frei macht, was wohl die Verbundenheit Effis zu diesem Garten verdeutlichen soll.
Die zweite Sinneinheit ist in erlebter Rede gehalten; es taucht jedoch auch direkte Rede in Form eines Selbstgespräches auf. Dieser Abschnitt wirkt wie eine Rückblende.
Die „Sonnenuhr“ (Z. 15) in der Nacht verdeutlicht die Zeitlosigkeit dieses Ortes, des Hohen-Cremmener Gartens, denn wie soll eine Sonnenuhr mit Mondlicht funktionieren?
Es wird also auf erstaunlich romantische Weise, mit romantischer Symbolik (siehe auch: „der Mond warf sein Licht auf...“ Z. 14; „alles schimmerte silbern“ Z. 15, „weiße Lichtstreifen“ Z. 16 usw.) der Garten beschrieben, wonach die Geschehnisse in diesem wie „Gedankenblitze“ in Retrospektive durchlaufen werden, und zwar bis hin zur Verlobung. „Und eine Stunde später war sie Braut“ (Z.19) drückt jedoch auch aus, wie schnell es zur Verlobung kam, dass Effi vielleicht doch nicht bereit war, aus ihrer Kindheit gerissen zu werden.
In Zeile 20 folgt jetzt ein kurzer Gegenwartsbezug: Effi vergewissert sich, dass Roswitha und Annie schon schlafen.
Doch schon in der nächsten Zeile nimmt die Retrospektive in Form einer diashowartigen Bilderflucht ihren Lauf; jedoch folgen, im Gegensatz zu den Erinnerungen vor dem gerade beschriebenen Gegenwartsbezug, die sich auf das Anwesen beschränken, jetzt Erinnerungen der Kessiner Zeit, also der Zeit nach der Hochzeit. Der Gegenwartsbezug unterstreicht diesen Zeitsprung.
Der Rückblick wird durch das fast übertrieben oft benutzte „und“ (Z. 22 ff.) zu eben dieser Bilderflucht, Zeitsprünge und zusammenhanglose Schlagwörter tragen zusätzlich dazu bei
(„Plantage“ --> „Schaukelstuhl“ --> „Crampas“ --> „Kinde“ = Zeitraffer, Z. 23 f.)
Der nächste Teil (Zeilen 25 bis 49) besteht wieder aus erlebter Rede, hauptsächlich jedoch aus einem inneren Monolog, einem Selbstgespräch.
Lediglich ein einzeiliger Einschub (Z. 29) holt Effi erneut für kurze Zeit in die Gegenwart zurück: die Turmuhr schlägt... und beschreibt die reale Zeit (Kontrast zur Sonnenuhr, siehe oben).
In den anderen Zeilen beschreibt Effi „es“, womit wohl das Tabu der Affäre mit Crampas gemeint ist. Sie ist mit sich selbst nicht mehr im Reinen: Sie weiß, dass sie „Schuld“ (Z. 34) auf ihrer Seele hat, doch lastet diese nicht schwer. Viel schlimmer ist die „Scham“ (Z. 37), die sie wegen ihrem schlimmen "Lug und Trug" (Z. 38 f.) verspürt.
Dieser ehrliche und emotionale Monolog wird durch einen stoßartigen Seufzer („Um Gottes Barmherzigkeit willen, steht es so mit mir?“, Z. 48 f.) beendet. Effis Zustand des Mit-Den-Nerven-Am-Ende-Seins wird hier deutlich: Sie kommt nicht mehr aus dem Lügenspiel heraus und besitzt keine innere Ruhe mehr.
Dieser Monolog ist sprachlich sehr steigernd aufgebaut ("wenn... dann... dannn", Z. 43 ff.), er ist eine Reflektion Effis Gedanken und Empfindungen.
Im letzten Teil jedoch (ab Z. 50) wird, plötzlich wieder in Form eines neutralen Erzählberichts, der Zusammenbruch Effis geschildert...
Nur der Zauber des Ortes, des Gartens, der hier sehr sensibel beschrieben wird („Alles war so still, und ein leiser, feiner Ton, wie wenn es regnete, traf von den Platanen her ihr Ohr“, Z. 51 f.), gibt Effi Kraft und Beruhigung.
Protokollant:
Valentin Christian Zuther
