Fontane07/Protokoll3

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Protokoll der Deutsch-Stunde vom 30.01.07

Thema: Effi Briest, Kapitel 2

Ergebnisse der selbständigen Bearbeitung:

  • Handlungsverlauf

Effi befindet sich zusammen mit ihren Freundinnen Hulda, Hertha und Bertha im Garten, bis sie in ihrem Spiel unterbrochen werden durch die Ankunft Innstettens, weshalb Effi von ihrer Mutter ins Haus gerufen wird, um ihn kennenzulernen. Auf dem Weg nach drinnen versucht Frau von Briest, Baron Innstetten als begehrenswerten Mann darzustellen und teilt Effi im Anschluss mit, dass dieser um ihre Hand angehalten habe. Im Gartensaal angelangt trifft Effi erstmals auf Baron Innstetten.

- Struktur

Das Kapitel weist in der Grobstruktur eine Teilung in zwei Teile auf, welche konstrastiv gehalten sind.

  • Handlungsorte

Teil Eins findet im Freien statt, wo Effi und ihre Freundinnen sich die Zeit mit kindlichen Spielen vertreiben.

In Teil Zwei befinden sich die Protagonisten im großen Gartensaal des Seitenflügels des Gebäudes.

  • Symbolik

Handlungsorte:

Effi befindet sich zunächst draußen in ihrem zeitlosen und nahezu zeitunabhängigen Paradies, das für die kindliche Welt des Spielens steht und Effi ermöglicht ihre Jugend auszuleben. Dem angepasst ist auch ihre Kleidung, ein Matrosenanzug, dessen robustes, grobes Material unempfindlich ist und dessen großer Klappkragen Unschuld und Kindlichkeit vermittelt. Aus dieser Welt wird Effi durch Baron Innstettens Ankunft gerissen. So wird das Geschehen im 2. Teil nach drinnen verlagert, in eine „andere“ Welt, die Welt des Adels. Die völlig andere Anforderungen an Effi stellt und den Ernst des Lebens zeigt, woraus auch Zweifel an Effis Auftreten im Matrosenanzug resultieren.


Die Ankunft des zukünftigen Bräutigams:

Innstetten erstes Auftreten ist mit einem negativen Eindruck behaftet (S.25, Z.12). Effi scheint nicht begeistert zu sein, da sie aufgrund dessen ihr Spiel unterbrechen muss. Des Weiteren bemängelt sie, dass der Zeitpunkt nicht richtig, was auf ein unterschiedliches Zeitgefühl der beiden hinweist.

Folglich besteht auch eine Diskrepanz zwischen den beiden Welten, in denen Effi und Innstetten leben, und es wird klar, dass Effi noch nicht bereit ist zu heiraten (S.13, Z.22).

Noch vor dem Zusammentreffen der Beiden legt Frau von Briest ihre Sicht der Dinge dar und überschreitet dadurch die Schwelle zwischen den Welten. Sie ist darauf bedacht, Innstetten als gute Partie darzustellen, wobei sie dessen gesellschaftliche Stellung in den Vordergrund stellt. Somit übt sie einen enormen Druck auf ihre Tochter aus, dem Effi nachgeben muss.

Mit ihrem Ausblick in Effis Zukunft gibt sie dem Leser auch einen Hinweis auf die vielen Erlebnisse, die Effi in kurzer Zeit haben wird, und ihren frühen Tod.


Das Zusammentreffen

Baron Innstetten tritt gemeinsam mit Herrn von Briest auf und überschreitet die Grenze zu Effis Garten Eden. Dies tun sie jedoch nicht als zukünftiger Ehemann, beziehungsweise als Vater, sondern als Repräsentanten einer von Titeln, Macht, Konvention und Tradition geprägten Welt in ihrer gesellschaftlichen Funktion. Hierbei gibt es ebenfalls Gegensätze. Herr von Briest als Ritterschaftsrat vermittelt einen eher gemütlichen Eindruck, wohingegen Baron Innstetten eher militärisch und streng wirkt, was die bereits zuvor gehegte Antipathie Effis gegenüber ihm noch verstärkt oder bestätigt.


Die Verbindung/Schaltstelle zwischen den beiden Teilen

Das auf Seite 13, Zeile 6 erwähnte Feigenblatt beinhaltet eine Anspielung auf die Geschichte Adams und Evas und den Sündenfall, an dessen Ende die Vertreibung aus dem Paradies steht. Dies könnte eventuell auch auf Effis Zukunft hindeuten, da sie sich durch die Zustimmung zur Heirat selbst aus ihrem Paradies vertreibt.


  • der Schluss des Kapitels (S.14, Z 36 ff.)

Besonders wichtig auch für den weiteren Verlauf ist der Schluss dieses Kapitels. Hier wird deutlich, dass sich Effis bisheriges Leben dem Ende zuneigt und ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Symbolisch dargestellt wird dies durch zwei Dinge:

- Das Fenster, durch das Hertha hereinblickt, kann als Fenster zu Effis Welt gesehen werden. Ebenso betont der wilde Wein, des das Fenster umwächst diese Sichtweise. Dennoch ist es eine Abtrennung davon, da es zwar den Blick hindurch zulässt, aber ein Mitspielen verhindert.

- Als Effi der Aufforderung Herthas mit zu spielen nicht Folge leistet, ist der Bruch ihrem alten Leben endgültig deutlich und eine Rückkehr kaum mehr möglich. Besonders wichtig ist hierbei der Ausspruch „Effi komm.“ (S.14, Z.36), da dieser in ebenso wichtiger Funktion ein weiteres Mal auf Seite 235 auftaucht. Allerdings handelt es sich an dieser Stelle um die elterliche Aufforderung an Effi, nach Hohen-Cremmen zurückzukehren.

Protokolant/in:Barbara Bozler