Fontane07/Protokoll2

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Protokoll der Deutsch-Stunde am 25.01.2007

Thema: Effi Briest

Kapitel 1 als Exposition

1.Kapitel

Laut Theodor Fontane enthält das erste Kapitel bereits alle grundlegenden Elemente des Romans, da die wichtigsten Personen und ihre Beziehungen untereinander geschildert werden.

Das erste Kapitel ist zu Beginn in der Form eines Erzählberichts gehalten. Der auktoriale Erzähler beschreibt zunächst Effis Elternhaus in Hohen-Cremmen aus der Sicht eines Beobachters „(…) dicht daneben einer Schaukel gewahr wurde (…)“ (S.5; Z.18, 19).

Er führt den Leser aus einer Distanz immer näher zum Geschehen, bis die Tochter schließlich durch die Augen der Mutter charakterisiert wird „(…) wie entzückend sie ihr eigenes Kind finde, zu welcher Regung mütterlichen Stolzes sie vollberechtigt war.“ (S.6, Z.8-10).

Hohen-Cremmen wird als Paradies, als Garten Eden dargestellt. An diesem Ort herrscht noch „Natur-Zeit“, die im Schatten der Sonnenuhr verschwindet und zeitlos wird.

Effi wird als eine sehr übermütige, wilde und leidenschaftliche, aber dennoch grazile Person beschrieben. Sie ist lebensfroh und gesellschaftlich noch ungezähmt, was sie durch ihre jungenhafte Kleidung demonstriert.

Effis Freundinnen sind dagegen schon mehr gesellschaftlich angepasst. Sie bilden einen Kontrast zu der noch ungezähmten Effi die erst noch „zivilisiert“ werden muss.

Nach ausführlicher Beschreibung des Elternhauses in Hohen-Cremmen und Effis setzt eine direkte Rede, ohne redeeinleitende Verben, ein. Der Erzähler beschreibt zwischen der direkten Rede immer wieder Handlungen, die die persönliche Stimmung der Personen widerspiegeln „Und dabei lief sie auf die Mama zu und umarmte sie stürmisch und küsste sie.“ (S.6;Z.37,38).

Effis Freundinnen werden ebenfalls aus der Sicht eines auktorialen Erzählers beschrieben. Dieser fällt hier allerdings in einen bewertenden, persönlichen, oft ironischen Unterton: „(…) kleine, rundliche Persönchen, zu deren krausem, rotblonden Haar ihre Sommersprossen und ihre gute Laune ganz vorzüglich passten (…)“ (S.7, Z.11-13).

Auf den folgenden Seiten (S.7-10) wird Effis zukünftiger Mann Innstetten ausführlich beschrieben. Auch die Liaison Effis Mutter mit Innstetten kommt zur Sprache.

Die Seiten zehn und elf des ersten Kapitels sind zunächst in einer neutralen Erzählweise, in der Form eines Erzählberichts geschrieben. Die Dialoge auf diesen beiden Seiten ähneln einem szenischen Erzählen, vergleichbar dem Dialog in einem Bühnenstück. Auf Seite 11 werden die Gedanken einer Nebenfigur in direkte Rede gefasst "Is doch ein Daus, unser Fräulein." (S.11, Z.6). Dieser Einblick in die Gedankenwelt einer Figur dient der indirekten Charakterisierung Effis.

Hier wird auch das Thema der Untreue angesprochen "(...) sollen früher auch arme unglückliche Frauen versenkt worden sein, natürlich wegen Untreue." (S.11, Z.22-24). Diese klare Vorausdeutung ist die Symbolik für eine noch nicht geschehene Tat.

Bereits in diesem Kapitel fällt auf, dass der auktoriale Erzähler den Leser bewusst in seinen Empfindungen, wie Mitleid, Sympathie und Abneigung lenkt. Sein manchmal personales Erzählverhalten vermittelt hier zwischen Leser und Romanfiguren. Die Beschreibungen sind detailliert und stellenweise mit einem Schuss Humor und kritischer Distanz versehen.

Erstes Kapitel als Exposition

- Orte:

        Hohen-Cremmen (bereits in seiner symbolischen Funktion als Paradies und    
        Zufluchtsort)
        Kessin (wird als weit enfernter und unbekannter Badeort/Freizeitort erwähnt)

- Personen:

            Effi und Frau von Briest (direkte Charakterisierung
            Hertha, Bertha und Hulda (werden direkt charakterisiert und ihre Funktion
            besteht darin Effi nochmals zu charakterisieren
            Innstetten (wird indirekt charakterisiert; Charakterisierung dient als 
            Vorschau bzw. Einführung der nächsten Szene)

- Vorgeschichte: Romanze zwischen Effis Mutter und Innstetten

- Symbolische Andeutungen:

                      Garten
                      Sonnenuhr
                      Schaukel ("Tochter der Luft" S.6, Z.23)
                      Heliotrop (stehen im Kontrast zu den Immortellen in Kessin)
                      Opferritual am Teich


Protokollantin: Laura Ballas