Fontane07/Protokoll1

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Protokoll der Deutsch-Stunde(n) vom 16.01.2007

Thema: Kaiserreich und Inhaltssicherung


Verlauf/Ergebnis:

Politik und Wirtschaft

Nach der Kaiserreichsgründung 1871 in Versailles entwickelte sich ein neues nationales Selbstbewusstsein und deutsches Gedankentum, denn durch die einheitliche Verfassung wurde die territoriale Zersplitterung Deutschlands aufgehoben. Das Reich war aber nicht der von den Demokraten erhoffte liberale Verfassungsstaat, sondern das Ergebnis mehrerer Kriege und diplomatischer Verhandlungen Bismarcks, des preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzlers. Die Einigung Deutschlands erfolgte von oben - durch Preußen. Der durch die Industrialisierung verursachte Wirtschaftswandel von der Landwirtschaft zur Schwerindustrie führte zur Modernisierung und dem rasanten Ausbau der Infrastruktur.

Dadurch kam es zu einer sozialen Differenzierung der Gesellschaft, wodurch der Adel an Bedeutung verlor. Der alte Landadel ( Innstetten ) wurde vornehmlich in der Verwaltung eingesetzt. Eine der bedeutendsten Leistungen Bismarcks war die Einführung der Versicherungen, die die Grundlage unseres heutigen Gesundheitsystemes sind.

In den Jahren nach 1871 wurden die wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen für ein deutsches Nationalgefühl geschaffen und die Wurzeln des heutigen Deutschlands sind in dieser Zeit zu finden, denn es entwickelte sich das Gesundheitssystem, die Parteienlandschaft und das Verkehrswesen.

Der Stoff und seine künstlerische Gestaltung

Zur groben Inhaltstrukturierung haben wir die Vorlage des Romans, das Leben und die Ehegeschichte der Else von Ardenne, mit dem Roman Effi Briest verglichen. Dazu muss man wissen, dass der Roman ein Akt der Intensivierung ist, um dem zeitgenössischen Leser Klarheit über die Welt und die Gesellschaft zu verschaffen. Deshalb übernahm Fontane durch kleine Veränderungen die Aufbereitung der Lebensgeschichte für den Leser, denn das Leben der Else von Ardenne ist durch Zufälligkeiten und Unregelmäßigkeiten bestimmt. Der Roman enthält keine Zufälligkeiten, sondern ist ein komplexes symbolisches Verweissystem.

Am Anfang des Romans wird durch kleine Abwandlungen das Konfliktpotential geschaffen oder verschärft:

  • Else hat vier Geschwister und ihr Verlobter ist fünf Jahre älter als sie.
  • Effi Briest ist ein Einzelkind und ihr Verlobter Innstetten ist zwanzig Jahre älter, dadurch erhält Effi einen kindlichen und naiven Charakter, der sich auf Drängen der Mutter in das Arrangement fügt.

Die Hochzeit findet direkt nach der Verlobung statt und Fontane hat hier durch eine zeitliche Verdichtung erreicht, dass die Hochzeitsreise nach Italien dem Leser zum Kennenlernen der Eheleute dient. Die Gefühle und Gedanken Effis erfährt der Leser durch Briefe, die Effi während der Hochzeitsreise an ihre Familie schreibt. Innstetten versucht durch sein fundiertes Wissen seine Frau zu beeindrucken, allerdings wäre Effi auch ohne seine Erläuterung glücklich.

Nach der Hochzeitsreise bezieht das Ehepaar ein Haus an der Küste in Kessin. Dort fühlt sich Effi allein gelassen und nicht in die Gesellschaft integriert, dadurch verschärft sich das Konfliktpotential und die Gründe für die Affäre werden geändert.

Für Else, die einen kulturell bestimmten Haushalt führt, ist die Affäre von großer Ernsthaftigkeit geprägt und sie ist sogar bereit sich scheiden zu lassen, um eine neue Ehe eingehen zu können. Da das Leben der Effi in Kessin von Langeweile und Einsamkeit geprägt ist, befriedigt die Affäre mit Crampas ein Geselligkeitsbedürfnis. Durch die Änderung der Lebensumstände (kulturell geprägter Haushalt <-> Einsamkeit und Langeweile) hat Fontane die Motive für die Affäre verändert.

Durch einen Zufall gelangt die Untreue Effis an ihren Mann, wohingegen der Mann Elses durch sein Misstrauen bewusst nach Indizien sucht und diese in der verschlossenen Kassette seiner Frau findet.

Effi Briest stirbt als junge Frau an Lebensunlust und Vereinsamung, die die Folgen der zurückliegenden Ereignisse sind.

Betrachtet man die kleinen Veränderungen Fontanes im Zusammenhang des Romans, erkennt man ein systematisches Verschärfen des Konfliktes und der Rollenproblematik.

Die Gestaltungsmittel der Wirklichkeitsverklärung sind die auktoriale Erzählperspektive mit gelegentlichen Einmischungen und die Detailgenauigkeit in der Darstellung der Räume, Personen und Orte. Dazu gibt es bei Briefen und Dialogen Situationen, in den die Personenperspektive eingenommen wird und unkommentiert bleiben.


Protokollant: Torben Stingl