Fünf gegen Willihell

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Wiese bei Altdorf. Im Vordergrund fliegen Flugzeuge, die erst ein paar Jährchen später erfunden werden, in der Tiefe der Hut auf einer Stange. Die Kulisse wird von einem Schneegebirge abgegrenzt.

Fresshardt und Leuthold halten Wache.

Fresshardt: Wir wachen umsonst. Es will sich niemand blicken lassen und dem Hut seine Verachtung zeigen. Ich spüre die negative Energie! Sie umgibt uns. 's war doch sonst wie bei Harri in der Bude: Sex, drugs und Rock'n´Roll, jetzt ist der ganze Anger wie verödet, seitdem der beschissene Hut auf der Stange hängt. Wir haben keine Rechte! Wär es doch nur wie bei Harri!

Leuthold: Halt doch die Klappe! Trauerst der Vergangenheit nach... Ich genieße diese Ruhe!

Fresshardt: Wenn sie gegen Mittag über den Platz aus dem Rathaus kommen, dann lass uns doch 'ne Party schmeißen! Mittagstund hat Gold im Mund.

Leuthold: Au ja, Fresshardt! Lassen wir sie Gold fressen! Aber lassen wir das träumen! Sehen wir der Realität in's Auge!

Fresshardt: Oh, du willst bei 9live anrufen? Prächtige Idee! Ich wüsste gerne mal etwas über meine Zukunft. Schade, dass das Telephon noch nicht erfunden wurde. Und stell dir mal vor, bald wird Telephon mit 'f' geschrieben!

Hildegard, Mechthild und Elizabäth treten auf mit Kindern und stellen sich um die Stange.

Leuthold: kichert vor sich hin Haha! Heute Nacht, werde ich das Telephon erfinden! Und es mit 'f' schreiben! Haha, ich bin so ein Rebell!

Mechthild: Da hängt des Landvogt´s Hut - Habt Respekt, ihr Kinder aus dem Morgenwald.

Elizabäth: spricht schwäbisch Ha noi, i will mi net baige vor dem Hütle! Des isch nur en bleds Hütle vom Landvogt Gessler! Herr Gott noch eins!

Fresshardt verscheucht sie: Ihr Weiber! Ihr habt keine Rechte! Verschwindet von hier!

Weiber gehen.

Telm kommt mit seinem Knaben auf den Platz.

Walther zeigt auf den Bannberg: Vater stimmt es dass die Bäume bluten wenn man sie fällt?

Telm: Wer behauptet das Knabe?

Walther: Der Meister Hirt erzählt's - Die Bäume seien verflucht! Und assozial!

Telm: Die Bäume sind groß, das ist die Wahrheit. - Siehst du die Firnen dort, die weißen Spitzen, Die hoch bis in den Himmel stehn? Die sind echt echt riesig!

Walther: Das sind die Bäume, die des Nachts so schreien, Und uns die Schlaglawinen niedersenden.

Telm: Ganz genau. Meine Mutter starb bei einer dieser Dreckslawinen. Verschüttet, wenn der Wald dort oben nicht so groß wär, hätten wir sie hören können.


Walther nach langem Nachdenken: Gibt's Länder ohne Berge, Vater?

'Tellm:' Alter, du fragst mich nach Ländern, wenn ich dir meine Gefühle offenbare? Die Frau die mich aufgezogen hat ist gestorben bei diesen scheiß Lawinen. Aber ich verzeih dir.

Walther: He Vater, warum steigt Wut in dir auf? Einfach so bei einer dummen Frage eines Kindes. Wieso bist du so labil?

Tellm: Das Land ist hässlig und unfair wie die Regierung! Doch die's bebauen, sie geniessen nicht den Regen, mit dem sie pflanzen.

Walther: Wohnen sie nicht frei wie du auf ihrem eignen Erbe?

Tellm: Nein dieser dreckige König besetzt es. Es gehört ihm.

Walther: So dürfen sie doch frei in Wäldern sterben?

Tellm: Dem Herrn gehört auch dieser. Also ist es verboten, deshalb wer dich auch von der Regierung verfolgt, weil meine Mutter dort gestorben ist, auf seinem Gebiet.

Walther: Sie dürfen doch frei fischen aus den Baumkronen?

Tellm: Ja.

Walther: Wer ist dieser Typ, dass ihn alle hassen oder Angst vor ihm haben?

Tellm: Es ist der, der sie beschützt und ernährt, aber er raubt ihnen die Freiheit, so ein Assiopa!

Walther: Sie können sich nicht mutig selbst beschützen?

Tellm: Nope, alles Pussies.

Walther: Papi,ich möchte bitte weg hier. Da wohn ich lieber unter den behinderten Lawinen.

Tellm: Ja wohl ist's besser, Kind, die Gletscherberge Im Rücken zu haben, als die bösen Kinder aus dem Morgenwald, die Assis...

Sie wollen vorübergehen.

Walther: Ei Vater, sieh den Hut dort auf der Stange.

Tellm: Is mir doch scheiß egal. Komm, lass uns gehen.

Indem er abgehen will, tritt ihm Fresshardt mit vorgehaltner Pike entgegen.

Fresshardt: In des Kaisers Namen! Haltet an und springt ein bisschen durch die Gegend, aber nur im Radius von 2 Metern! spricht wie ein türkischer Türsteher Du kommsch hier net rein!

Tell greift in die Pike: Was willst du denn?

Fresshardt: Sorry aber ich mag euch nicht, ihr seid irgendwie hässlich...

Leuthold: Ihr habt dem Hut nicht gegrüßt!

Tellm: Ey alter, verpiss dich oder ich leg dich mit einem gezielten Tritt flach!

Fresshardt lacht

Fresshardt: Du kommst hinter schwedische Gardienen du Witzfigur!

Walther: Den Vater ins Gefängnis? Hülfe! Hülfe!

In die Szene rufend:

Alle starken Leutles zu mir.

Rösselmann der Pfarrer und Petermann der Sigrist, kommen herbei, mit drei andern Männern.

Sigrist: Was gibt's?

Rösselmann: Warum soll der weg?

Fresshardt: Er bricht die Regeln!

Telm fasst ihn heftig: Ein Verräter? Ich? Das glaub ich jetzt ja nich, das war wie damals, als mein Brotbrettchen kaputt gemacht wurde! DAS DING HAT 2,50€ GEKOSTET, UND DIESE KOMISCHE AUSTAUSCHTUSS HATS KAPUTT GEMACHT...

Rösselmann schüttelt den Kopf über diese dumme Bemerkung

Rösselmann: Du irrst dich Freund, der Typ ist ganz ok.

Walther erblickt Walther Fürsten und eilt ihm entgegen: Obba hilf, die sind aggro!

Fresshardt: Ins Gefängnis, fort!

Walther Fürst herbeieilend: Stopp stopp stopp nich so schnell, warum soll der ins Gefängnis? - Um Gottes Willen, Willihell, was ist geschehen?

Melchtal und Stauffacher kommen.

Fresshardt: Der Landvogt ist cool und extrem mächtig, doch das beachtet dein Freund nicht!

Stauffacher: Wos?

Melchtal: Du lügst das erzähl ich meiner Mama!

Leuthold: Er hat den Hut nicht angebetet.

Walther Fürst: Und darum soll er ins Gefängnis? Mann mann mann, das ist ja ein komisches Gesetz.

Fresshardt: Ja, das Gesetz ist komisch... und bitte Melchtal, erzähl es nicht deiner Mami! Die ist ganz schön böse und schlägt einen mit dem Nudelholz!

Melchtal zu den Landleuten: Nö, das ist ein bisschen zu gewalttätig! Ertragen wir's, dass die ihn nieder machen, frech, vor unsern Augen?

Sigrist: Wir sind die Tanks hier, die machen wir fertig!

Fresshardt: Wer hört nicht auf das Gesetz?

Noch drei Landleute herbeieilend geben kleinlaut zu: Wir. Aber wir werden uns einsetzen für Willihell!


Hildegard, Mechthild und Elizabäth kommen zurück.

Telm: Ich kann mich selber wehren! Jetzt müsst ihr mir nicht mehr helfen, was nicht heißt, dass ihr es nicht tun sollt!

zwinkert ihnen zu Melchtalzu Friesshardt: Wag's, ihn aus unsrer Mitte wegzuführen!

Walther Fürst und Stauffacher: Gelassen! Ruhig!

Fresshardt schreit: So 'ne kranke Scheiße!

Man hört Jagdhörner.

Weiber: Da kommt der Landvogt!

Fresshardt erhebt die Stimme: So 'ne kranke Scheiße!

Stauffacher: Schrei, bis du zerbrichst, Schurke!

Rösselmann und Melchtal: Willst du schweigen?

Fresshardt ruft noch lauter: Helft unds, helft uns, den Dienern des Gesetzes.

Walther Fürst: Da ist der Vogt! Oh kein Gott, was wird das werden!

Gessler reitet, den Falken auf der Faust, Rudolf der Harras, Berta und Rudenz, ein großes Gefolge von bewaffneten Knechten, welche einen Kreis von Piken um die ganze Szene schliessen.

Rudolf der Harras: Verpisst euch! Der Landvogt kommt!

Gessler: Treibt sie auseinander! Warum gibt's hier Stress? Wer ruft Hilfe?

Allgemeine Stille.

Wer war's? Ich will es wissen. (Zu Fresshardt:) Du tritt vor! Wer bist du und was hältst du diesen Mann?

Er gibt den Falken einem Diener.

Fresshardt: Mein Herr, ich bin ihr Angestellter! Dieser Mann dort, hat sich nicht vor dem Hut verbeugt. So wollt ich ihn zusammenschlagen, wie sie's mir sagten!

Gessler nach einer Pause: Verachtest du so deinen Kaiser, Tellm, Und mich, der hier in seiner Stadt herrscht, Du ehrst mich nicht und das verrätst du mir. Tellm: Verzeiht mir lieber Herr! Unüberlegt habe ich gehandelt und nicht aus Verachtung vor euch.

Gessler nach einigem Stillschweigen: Man hat mir erzählt du könntest ganz gut Bogen schießen. Ist das wahr Tell? Kannst du es mit jedem anderen Schützen aufnehmen?

Walther Tellm: Das ist wahr! Ich schieße dir einen Apfel vom Baum mit Hundert Schritten Abstand! Tja, das kannste nich, wa?

Gessler: Ist das dein Sohn, Tell?

Tellm: Ja, lieber Herr.

Gessler: Hast du noch 'n Kind?

Tellm: Zwei Knaben, Herr.

Gessler: Welchen magste mehr?

Tellm: Beide mag ich gleich, hätteste dir ja wohl denken können!

Gessler: So Tell. Da du ja so toll schießen kannst, nimm die Armbrust und schieß den Apfel von dem Kopf deines Sohnes! Wenn du ihn verfehlst müssen wir dich leider hinrichten. Haha!

Alle stöhnen vor Schreck

Tellm: Sag mal! Spinnst du? Ich schieß doch nicht auf meinen Sohn!

Gessler: Tja, wer is hier der Mächtige? Ich, haha! Du wirst schießen!

Tellm: Ich soll auf meinen Sohn zielen? Eher sterb ich!

Gessler: Du schießt oder stirbst mit deinem Knaben.

Tell: Ich soll der Mörder werden meines Kinds! Du hast kein Kind! Du weißt nicht wie das ist!

Gessler: Haha Tell! Du bist so'n Opfer! Jetzt mach schon!

Berta: Verarscht sie doch nicht! Diese armen Leute! Sie sind bleich und sehen scheiße aus!

Gessler: Wer sagt Euch, dass ich sie verarsche?

Greift nach einem Baumzweige, der über ihn herhängt. Hier ist der Apfel. So, macht Platz und lasst ihn schießen!

Rudolf der Harras: Beig dich Knabe und winsle um dein Leben!

Walther Fürst beiseite zu Melchtal, der kaum seine Ungeduld bezwingt: Blei ruhig, Tellm!

Berta zum Landvogt: Jetzt lass ih doch ihn Ruhe du Penner!

Gessler: So, jetzt haste Pech, mein lieber Tellihelli!

Walther Fürst wirft sich vor ihm nieder: Lasst Gnade walten!

Walther Tellm: Grossvater, beug dich nicht vor diesem assozialen Schwein nieder!

Stauffacher: Herr Landvogt, rührt Euch nicht des Kindes Unschuld?

Rösselmann: O denket, dass ein Gott im Himmel ist,dem ihr das alles mal erklären müssen werdet!

Gessler zeigt auf den Knaben: Man bind ihn an die Linde dort!

Walther Tellm: Mich binden? Nein, ich will nicht gebunden sein. Ich will stillhalten und mich nicht bewegen!

Rudolf der Harras: Die Augen nur lass dir verbinden, Knabe.

Walther Tellm: Warum die Augen? Ich fürchte mich doch nicht vor den Pfeilen meines Vaters! Er geht an die Linde, man legt ihm den Apfel auf.

Melchtal zu den Landleuten: Was? Soll der Frevel sich vor unsern Augen Vollenden? Wozu haben wir geschworen?

Stauffacher: Es ist umsonst. Wir haben keine Waffen, Die da haben Lanzen!

Melchtal: O hätten wir's mit frischer Tat vollendet, Verzeih's Gott denen, die zum Aufschub rieten!

Gessler zum Tell: So ihr Trottel! Jetzt macht mal hinne!

Telm spannt die Armbrust und legt den Pfeil auf: Öffnet die Gasse! Platz!

Stauffacher: Was Tell? Du willst schießen? Du zitterst und deine Knie wackeln!

Tellm lässt die Armbrust sinken: Mir schwimmt es vor den Augen!

Weiber: Gott im Himmel!

Tell zum Landvogt: Er lasset mir den Schuss. Hier ist mein Herz!

Er reißt sich die Kleider vom Leib

Ruft Eure Reisigen Typen und stoßt mich nieder! Gessler: Ich will dein Leben nicht, ich will den Schuss.

Tellm fürchtet sich vor dem Schuss. Aber er zieht einen Pfeil und steckt sich noch einen tz.

Walther Tellm unter der Linde: Vater schiess zu, ich fürcht mich nicht.

Tellm: Es muss!

Er rafft sich zusammen und legt an.

Stauffacher ruft: Der Apfel ist gefallen!

Rösselmann: Der Knabe lebt!

Viele Stimmen: Der Apfel ist getroffen!

Walther Fürst schwankt und droht zu sinken, Berta hält ihn.

Gessler staunt: Er hat geschossen? Wie? der Rasende!

Berta: Der Knabe lebt! Kommt zu Euch, guter Vater!

Walther Tell kommt mit dem Apfel gesprungen: Vater, hier ist der Apfel - Wusst ich's ja, Du würdest deinen Knaben nicht verletzen.

Tell stand mit vorgebognem Leib, als wollt er dem Pfeil folgen - die Armbrust entsinkt seiner Hand - wie er den Knaben kommen sieht, eilt er ihm mit ausgebreiteten Armen entgegen, und hebt ihn mit heftiger Inbrunst zu seinem Herzen hinauf, in dieser Stellung sinkt er kraftlos zusammen. Alle stehen gerührt.


Walther Fürst zu Vater und Sohn: Kinder! Meine Kinder!

Stauffacher: Gott sei gelobt!

Leuthold: Das war ein Schuss! Davon Wird man noch reden in den spätsten Zeiten.

Rudolf der Harras: Erzählen wird man von dem Schützen Tellm, Solang die Berge stehn.

Reicht dem Landvogt den Apfel.

Gessler: Bei Gott! Den Apfel mitten durchgeschossen! Es war ein Meisterschuss, ich muss ihn loben.

Rösselmann: Der Schuss war gut, doch wehe dem, der ihn Dazu getrieben, dass er Gott versuchte.

Stauffacher: Kommt zu Euch, Tell, steht auf, Ihr habt Euch männlich Gelöst, und frei könnt Ihr nach Hause gehen.

Rösselmann: Kommt, kommt und bringt der Mutter ihren Sohn.

Sie wollen ihn wegführen.

Gessler: Tellm, höre!

Tellm kommt zurück: Was befiehlt Ihr, Herr?

Gessler: Du hast doch vorhin nen Pfeil mitgehen lassen!

Tell verlegen: Herr, das ist also bräuchlich bei den Schützen.

Gessler: Wozu dient der zweite Pfeil?

Tell: Dann sag ich euch eben die Wahrheit!

Er zieht den Pfeil und sieht den Landvogt mit einem furchtbaren Blick an.

Mit diesem zweiten Pfeil hätte ich euch erschossen, wenn ich den Apfel nicht getroffen hätte.

Gessler: Deinen bösen Sinn habe ich erkannt! Bindet ihn!

Tell wird gebunden.

Stauffacher: Wie, Herr? So könntet Ihr an einem Manne handeln, An dem sich Gottes Hand sichtbar verkündigt?

Gessler: Bringt ihn auf mein Schiff!

Rösselmann: Ihr wollt ihn außer Lands gefangen führen?

Landleute: Das dürft Ihr nicht, das darf der Kaiser nicht,

Das widerstreitet unsern Freiheitsbriefen!

Gessler: Tja ihr Opfer! Ich hab die Macht!

Er entfernt sich, Berta, Rudenz, Harras und Knechte folgen, Fresshardt und Leuthold bleiben zurück.

Tellm: Lebt wohl!

Walther Tellm sich mit heftigem Schmerz an ihn schmiegend: O Vater! Vater! Lieber Vater!



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