D8/protokoll8
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Stundenprotokoll vom 15. November 2011
Thema der Stunde: Kafka: Der Proceß
Zu Beginn des Unterrichts haben wir den Aufschrieb der vergangenen Stunde mit der Kategorie „Konfliktpotenzial“ ergänzt. Hier haben wir festgestellt, dass die Figuren im Roman unterschiedliche Ansichten von Gesetz, Recht und Ordnung haben. Beispiel: K. erwartet einen Haftbefehl, da er der Meinung ist, dass dies in einem Rechtsstaat nötig ist, um jemanden festzunehmen. Die Wächter hingegen sind der Meinung keinen Haftbefehl zu benötigen, um K. zu verhaften. Die Frage: „Was ist das Gesetz?“ wird hier also nicht geklärt und stellt ein Konfliktpotenzial dar.
Genau dieses Konfliktpotenzial wird bereits in Kafkas erstem Satz anhand der Wortwahl sehr deutlich. Deshalb haben wir diesen Satz in seine Einzelteile zerlegt und uns die Bedeutung der einzelnen Satzteile genauer angeschaut. Aufgefallen ist uns hier:
- Das erwähnte Konfliktpotenzial wird vor allem an der Widersprüchlichkeit der Worte ,,Böse" und ,,verhaftet" deutlich. Etwas Böses tun ist keine juristische Kategorie, es gibt also kein Gesetz das festlegt was Böse ist. Ob etwas Böse ist oder nicht, wird durch die Moral definiert. Jemanden verhaften hingegen ist ein juristischer Vorgang und verweist auf einen Rechtsstaat, da man hierfür Organe und Institutionen braucht, die die Verhaftung überhaupt ermöglichen.
- In dem Satz kommen viele Unbestimmtheitselemente vor. So z.B. das Indefinitpronomen ,,jemand" oder auch der Name ,,Josef K.", der uns keine genauere Identifizierung ermöglicht. Auch das temporale Adverb, das uns eigentlich genauere Informationen über die Zeit liefert, ist hier mit ,,eines Morgens" sehr ungenau.
- Das Prädikat ,,wurde verhaftet" steht im passiv und es findet somit eine Täterverschweigung statt. Das heißt, man weiß nicht, wer genau Josef K. festnehmen lässt.
Wir haben gesagt, dass diese ganzen Ungenauigkeiten und Anonymitäten uns schon vorahnen lassen, dass Josef K. die höhere Instanz, die ihn festnehmen lässt, nie erreichen kann, da er sie nicht kennt.
Um den Bedeutungsgehalt des Satzes nochmals zusammenzufassen: Der genaue Vorgang wird verschleiert. Man erfährt nicht wer macht was und warum, es wird lediglich gezeigt, dass jemandem etwas grundlos geschieht. Außerdem wird das Konfliktpotenzial des Romans bereits hier deutlich.
Lesen des 2. Kapitels
Inhalt (Seite 22-29)
Am Abend möchte K. mit Frau Grubach, seiner Vermieterin, sprechen, um sich für die Vorfälle am Morgen zu entschuldigen. Im Gespräch kommt K. auf das Fräulein Bürstner zu sprechen, die gerade im Theater ist. Als Frau Grubach das Fräulein Bürstner kritisiert, zögert K. nicht sie zu verteidigen, obwohl er sie kaum kennt. Nach dem Gespräch geht K. zurück in sein Zimmer, in dem er den restlichen Abend die Ankunft des Fräulein Bürstners abwartet. Als diese am späten Abend endlich eintrifft, will K. sofort mit ihr reden. Er entschuldigt sich auch bei ihr für die Unannehmlichkeiten am Morgen.
Über diesen Teil des 2. Kapitels lässt sich sagen, dass das plötzliche Entschuldigungsbedürfnis K.s sehr merkwürdig ist, da es auf Schuldgefühle hinweist. Diese schiebt K. jedoch stets von sich. Außerdem erkennt man in den Gesprächen mit Frau Grubach und Fräulein Bürstner, wie K. sich von ihnen Hilfe erhofft. Betrachtet man also die Beziehungen zwischen K. und den anderen Personen im Roman, sind die anderen Figuren als Helferfiguren zu deuten. Sprich: Wie kann diese Person K. helfen bzw. was für eine Hilfe erhofft sich K. von dieser Person.
