Dürrenmatt09/Protokoll6

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Protokoll der Deutschstunde vom 13./14. 01. 2010

Thema: Kommunikationsmodell und seine Anwendung in der Dialoganalyse

Die vier Seiten einer Nachricht

Kommunikation ist der Prozess zwischen Sender und Empfänger. Dabei will der Sender dem Empfänger eine Botschaft überbringen. Eine solche Botschaft vom Sender beinhaltet die Punkte…

… Sachinhalt (Welche Information will ich dem Empfänger vermitteln?)
… Appell (Was will ich, das mein Gegenüber macht?)
… Ich-Botschaft (Was gebe ich von mir selbst preis?)
… Wir-Botschaft (Wie stehe ich zu meinem Gesprächspartner? Welches Verhältnis habe ich zu ihm?)

Nun muss der Empfänger diese Punkte für sich einordnen in…

… den Sachinhalt (Wie darf ich mein Gegenüber verstehen?)
… den Appell (Was muss ich tun/fühlen/denken?)
… die Selbstoffenbarung (Wen habe ich gegenüber? Was ist das für ein Typ?)
… die Beziehung (Wie redet mein Gesprächspartner mit mir?)

Danach untersuchten wir, wie Sinn konstruiert wird. Hierbei hängt das Verstehen als individuelle Sinnkonstruktion ab von…

… der Kommunikationssituation (Beziehung: Bin ich in ein Streitgespräch verwickelt?; symmetrisch (z.B.: Schüler-Schüler)/ asymmetrisch (z.B.: Schüler-Lehrer); äußere Umstände: Muss ich laut/leise sprechen?; habe ich unerwünschte Mithörer?)
… dem Selbstkonzept (Wie viel will ich über mich preisgeben? Was bin ich für ein Typ?)
… der Partnerhypothese (Bild, das man vom Gegenüber hat; Was vermute ich, will er hören? Wie reagiert er? Wie meint er das Gesagte?)

Exkurs: Ironie

Besonders schwer wird es für den Empfänger, wenn in einer Botschaft Ironie vorhanden ist, da diese die Differenz von Gesagtem und Gemeintem ist. Außerdem trägt zum Verständnis von Ironie der Tonfall und die Sprache (Jugendsprache/Fremdsprache) einen großen Teil bei. Für die Deutung von Ironie ist also die Partnerhypothese sehr hilfreich.

Anschließend behandelten wir einen Fabel-Text, der von einer Henne, einer Biene und einem Löwen erzählt, wobei die Henne und die Biene ständig aneinander vorbeireden. Hier stellten wir fest, dass selbst wenn man dieselbe Sprache spricht, die Möglichkeit besteht, dass man sich nicht versteht. Dies liegt zum Beispiel an den Unterschieden in der Sprache der Jugendlichen und der Erwachsenen. So können Wörter wie „cool“ und „geil“ im Wortschatz einer Person vorhanden sein, man setzt sie jedoch anders ein und erkennt so den Sinn des Gesagten nicht.

Ein Mini-Dialog

Zum Schluss werteten wir den Mini-Dialog zwischen Alfred Ill und dem Bürgermeister (S.105/6) aus:

Sender: Bürgermeister: „ Ich bringe ein Gewehr.“
Empfänger: Ill: „Danke.“

Kommunikationssituation:

Ill wurde zunehmend von den Dorfbewohnern bedrängt, hat sich nun aber damit abgefunden, dass er sterben muss und kommt nach längerer Zeit wieder in seinen Laden zurück, der mittlerweile renoviert wurde und jetzt modern eingerichtet ist.

Auswertung Bürgermeister:

Information: „Hier ist ein Gewehr.“
Appell: „Nimm unser Schicksal in deine Hand!“ / „Wir bauen auf dich!“ / „Mach was damit!“
Beziehung: „Du bist schuld!“ (Hier wird deutlich, dass sich ihre Freundschaft verändert hat und ein Wendepunkt erreicht ist (keine Feindschaft!). Der Bürgermeister ist jetzt der Richter.)
Ich-Botschaft: „Ich halte dich für schuldig.“ (Bürgermeister will sich aus Affäre ziehen)

Auswertung Ill:

Information: „Ich habe es mitbekommen.“
Appell: „Ich weiß, was ich damit tun soll.“
Beziehung: „Ich durchschaue dich, aber lasse dich auflaufen.“
Ich-Botschaft: „Ich werde die Last nicht von dir nehmen.“ / „Du kommst nicht einfach so davon!“

=> Zum Schluss stellt sich die Frage, warum sich Ill nicht auf den Bürgermeister einlässt.

Erklärung: Ills innerer Abwägungsprozess ist beendet und er akzeptiert nun, dass er sterben muss.
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