Dürrenmatt09/Protokoll5
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Protokoll der Deutsch-Stunde am 17.12.09
Thema: Verfilmung 2008 (Exposition) und Kurzreferate
Inhaltsverzeichnis |
1. Meinungen zum Film „Der Besuch der alten Dame“, 2008
Positive Eindrücke und Beobachtungen:
- -Kontrast zwischen Claire und Güllen
- -Orte und Schauspieler
- -„richtig“ moderne Umsetzung
Negative Eindrücke und Beobachtungen:
- -Film zu modern; z. B. die Ankunft Claires mit Helikopter-> Verdeutlichung der Macht und Willkür, die Claire ungestraft ausführen kann, fehlt; dies wird bei Notbremse besser verdeutlicht
Weitere Beobachtungen:
- -Aufsichtsrat und Bürgermeister: vulgäre Sprache
- -Bahnhof: heruntergekommen;
- -Ort: pittoresk, nicht unbedingt heruntergekommen!
Hinzugekommen:
- -Helikopter
- -viele Menschen am Bahnhof erwarten Claire
- -Aufsichtsrat (und Bürgermeister): ->Ill muss von diesen erst noch gelockt werden
- -Idee der „Claire-Zachanassian-Stiftung“
- -Presse von Anfang an dabei
Fehlend:
- -Goethe, Brahms, … -> „Humanismusseligkeit“
- -Sarg -> Antizipation des Todes
- -Koby, Loby, …. -> Gefolge Claires
Fazit: Unsere Vorstellungen werden (im Großen und Ganzen) umgesetzt
- -Realismus ist vorherrschend
- -Außenwelt ist modernisiert; Modernisierung wird jedoch sowohl positiv und negativ empfunden
2. Kurzvortrag zu „Konjunktur und Wirtschaftwunder“
Nach dem 2. Weltkrieg war in Deutschland alles zerstört; die Menschen mussten zusammenhalten und miteinander wirtschaften. Die sich sehr langsam verbessernde Wirtschaft wurde von der Einführung der DM als neue Währung noch unterstützt. Außerdem wurde der „Marshall-Plan“ in Deutschland umgesetzt. Er bestand daraus, dass aus den USA 14,1 Mrd. Dollar unter die deutsche Bevölkerung verteilt wurden. Offiziell hieß diese Summe ein „Kredit“, war aber eigentlich eine verkappte Spende oder ein Geschenk der USA an Deutschland; sie wollten das Geld nicht schnell zurückgezahlt bekommen. Die deutschen Bürger ließen daraufhin anschreiben, legten sich mehr Güter zu und arbeiteten, sodass die Wirtschaft aufblühen konnte.
Nun besteht eine gewisse Parallele zwischen Geschichte und dem Drama „Der Besuch der alten Dame“: Claire Z. schenkt, vielmehr „stiftet“, eine Milliarde an die Bürger Güllens und an die Stadt Güllen, die daraufhin ebenfalls anschreiben lassen, sodass Güllen wieder mehr floriert. Nun besteht die Frage: Ist diese Parallele von Dürrenmatt intendiert? Dafür spricht die Tatsache, dass die Dramenbezeichnung zuerst „Eine Komödie der Hochkonjunktur“ lautete; allerdings wird im Drama der ungedeckte Scheck durch eine andere Art von Arbeit, nämlich die Ermordung Ills, eingelöst.
3. Kurzvortrag: „Vergleich der Chöre in ‚Antigone‘ und ‚Besuch der alten Dame‘“
Sophokles‘ „Antigone“: „Nichts ist ungeheurer als der Mensch“.
- -Der Mensch hat große Macht; er will und kann seine Bedürfnisse immer besser erfüllen; kann über seine Handlungen entscheiden
- -diese haben entweder den Tod und Zerfall zur Folge, oder das Schicksal des Menschen neigt sich durch seine Handlungen zum Guten; je nachdem, wie die Götter in ihrer Souveränität entscheiden.
- -> Hier wird die antike Großartigkeit des menschlichen Ringens mit seinem von den Göttern verordneten Schicksal zum Ausdruck gebracht; ganz im Gegensatz dazu steht
Dürrenmatts „Alte Dame“: „Nichts ist ungeheurer als die Armut“.
- -> Hier wird die menschliche Leistung trivialisiert
- -nicht der Mensch hat die Macht über seine Handlungen, sondern die Armut; unter ihrer Herrschaft neigt der Mensch zum Schlechten;
- -auch positive menschliche Leistung wird darauf reduziert, die „Armut zu überwinden“.
4. Kurzvortrag: „Humanismus“
I. Humanismus ist das Weltbild und Wirken, in dessen Zentrum der Mensch steht. Die drei Hauptfragen des Humanismus sind:
- Was ist der Mensch?
- Was ist sein wahres Wesen?
- Wie kann der Mensch dem Menschen ein Mensch sein? (respektvoller Umgang miteinander)
->Humanismus bezeichnet die Gesamtheit der Ideen von Menschlichkeit und das Streben danach, das menschliche Dasein zu verbessern.
->orientiert sich an den Interessen, Werten und der Würde des Einzelnen
->Wichtige Prinzipien: Toleranz, Gewaltfreiheit, Gewissensfreiheit, Güte, Mitgefühl für die Schwächen des Menschen
->Streben nach Harmonie, die auf zwei Gleichwertigkeiten basiert: jeder Mensch ist gleich wertvoll; Individuum und Gemeinschaft sind ebenfalls gleich viel wert.
II. Die griechische Antike als Vorbild und Ursprung des Humanismus-Ideals in der Antike: die ethisch-kulturelle Höchstentfaltung der menschlichen Kräfte; Lehren griechischer Philosophen:
- -„Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ ; keine moral./gesetzl. Absolutheiten außer Gott -„alles ist einem ewigen Wandel unterworfen“ („Alles fließt“)
- -die Einheit und Ganzheit aller Dinge in/trotz der Vielfalt -> Ansätze humanistischen Denkens und die Idee der Einheit und Gleichheit aller Menschen vorhanden :=> heute im Grundgesetz
III. Humanismus nach E. Fromm: „Humanismus als reale Utopie“
- -humanistische Werte sind Zielvorstellung Fromms
- - Fromms Kritik an der modernen Gesellschaft: Traditionelle Werte gehen verloren, kein pers. Wachstum (mehr); nur noch materielle bzw. technologische Werte zählen
- - Liebe ist für Fromm der Hauptschlüssel zum persönlichen Wachstum und zur Freude am Leben

