Dürrenmatt09/Protokoll2
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Protokoll vom 1.12.2009
Thema: Tragödie und Komödie - der Einzelne und das Kollektiv
Dürrenmatt verknüpft in seinem Drama Motive der Tragödie mit denen der Komödie und macht es so zur klassischen Tragische Komödie. Um ein besseres Verständis für die Dramengattungen Tragödie und Komödie zu erhalten, muss man diese zuerst einmal definieren, sowie Merkmale und Wirkung im Kurzen analysieren.
Bei der Tragödie handelt es sich um ein Drama, das einen Konflikt und das Scheitern des Protagonisten beinhaltet.
Es gibt keine Lösung des Konflikts.
Die Wirkung besteht aus Furcht und Mitleid.
Ein wichtiger Aspekt der Tragödie ist die Erkenntnis der tragischen Figur über ihr schuldhaftes Verhalten und die Akzeptanz der darausfolgenden Konsequenzen. Dabei ist erwähnenswert, dass die Botschaft explizit an den Zuschauer gerichtet ist, der daraus lernen und sein Leben ändern soll, denn der tragische Held kann es nicht mehr ( in der Tragödie wird der Untergang des Helden garantiert).
Zu einem tragischen Helden wird Alfred Ill als der anfangs eigentliche Schuldige, der mit der Zeit ein sittliches Bewusstsein entwickelt. Er ist der einzelne Mensch (tragische Ereignisse treffen den Einzelnen; lächerlich machen sich jedoch viele darüber -> siehe Kollektiv), der seinem unausweichlichen Schicksal in Form von Claires Rache, die durch ihren Reichtum schließlich seinen Tod bewirkt, gegenübersteht. Durch seine Haltung und Einsicht gewinnt er tragische Größe.
Bei der Komödie handelt es sich um ein Drama mit erheiterndem Handlungsablauf das in der Regel glücklich endet.
Hier werden menschliche Schwächen lustig dargestellt.
Es gibt immer eine Lösung des Konflikts.
Die Komödie hat meist einen glücklichen oder versöhnlichen Handlungsausgang.
Die Wirkung beim Zuschauer ist ein befreiendes Lachen und die Erkenntnis von menschlichen Schwächen.
Unter die typische Personen der Komödie fallen die Bürger der Stadt Güllen (das Kollektiv). Die Bürger werden zunächst als „ehrliche Bürger“ gezeigt, dann jedoch bald als lächerliche Figuren vorgeführt, indem sie der Verführung des Geldes unterliegen
Zwischen den beiden Polen steht Claire Zachanassian mit ihrem Gefolge. Sie stellt eine groteske Figur dar und ist deshalb eine besonders markante Figur der Tragischen Komödie. 45 Jahre wartet sie auf ihre Rache. Möglich wird ihr diese Rache durch den Reichtum, mit dessen Hilfe sie die Bürger der Stadt für ihre Zwecke instrumentalisiert.
Ihr Gefolge, das aus Toby, Roby, Koby and Loby besteht ist ebenso lächerlich wie auch tragisch. Ihr Aussehen, Auftreten und Verhalten lassen sie auf bizarre Weise lustig erscheinen. Ihre Hintergründe und Vergangenheit sind jedoch alles andere als lustig (kastriert und geblendet von Claire Zachanassian, da sie als bestochene Zeugen damals beim Prozess falsch aussagten als es um die Vatschaftsfrage im Fall Alfred Ill ging).
Der Einzelne und das Kollektiv
Alfred Ill gilt zunächst als Hoffnungsträger Güllens, da die Einwohner auf finanzielle Zuwendung von der ehemaligen Güllenerin Kläri Wäscher hoffen. Er soll die alte Liebe zu Claire Zachanassian wieder hochleben lassen und sie dazu bringen die verarmte Kleinstadt vor dem vollkommenen Ruin zu retten. Claire Zachanassian unterbreitet den Güllenern währenddessen ein unmoralisches Angebot: Sie würde ihnen eine Milliarde schenken, wenn sie Ill umbrächten. Diese Forderung lehnen die Bewohner zunächst entrüstet ab, doch seltsamerweise beginnen sie, Geld auszugeben so als ob alle mit einem größeren Vermögenszuwachs rechnen könnten. Alfred Ill wird bald klar, dass die Güllener nicht mehr hinter ihm stehen und dem Geld nicht widerstehen können. Selbst der Pfarrer kann dem schnöden Mommon nicht widerstehen und so kommt es, dass auch der Bürgermeister am Schluss Alfred Ill ein Gewehr vor die Füße legt und Aflred Ill innständig darum bittet es nicht zuzulassen, dass Güllen seine Hände mit Blut befleckt. Alfred Ill lehnt zwar ab, dennoch leistet er keinen Widerstand um sein Leben zu retten und überlässt die Verantwortung ganz den Güllenern. ( S. 102 " Ich kämpfe nicht."; S. 103 " alles ist meine Tat")
Bei dem Prozess zur Unmenschlichkeit und der Entlarvung des Kollektivs und dem Prozess des Hoffnungsträgers zum tragischen Opfer des Alfred Ills gibt es eine Stelle in diesem Stück, wo sich beide Prozesse überschneiden. Die gemeinte Stelle ist die Szene als Alfred Ill in seiner Verzweiflung Hilfe beim Pfarrer, der geistlichen Instanz der Stadt Güllen, sucht und dort zur Erkenntnis seiner Ausweglosigkeit kommt als der Pfarrer ihm nahe legt aus der Stadt und damit vor dem sicheren Tod zu fliehen ( S.75 "Flie, wir sind schwach.")
